Alpbach - Auf der Suche nach Wegen aus dem Tal der Tränen glaubt die europäische Luftfahrtbranche fündig geworden zu sein. Ein Ausweg, lautet "Abbau von Überkapazitäten". Um diesen werde die globalisierte Flugwelt nicht herumkommen, ist KLM-Chef Leo van den Wijk, zugleich Präsident der europäischen Luftfahrtvereinigung AEA, überzeugt. Da dieser Abbau hohe Kosten verursache, weil er sozial verträglich gestaltet werden müsse, schlägt van den Wijk Hilfszahlungen nach dem Vorbild der Stahl- und Fischereiindustrie vor. Die EU und die nationalen Regierungen sollten prüfen, ob es nicht sinnvoll wäre, der notleidenden Branche zumindest mittels Einmalzahlungen unter die Arme zu greifen. Nicht gegen Prinzip des freien Marktes Dem Prinzip des freien Marktes widerspreche dies nicht, denn auch die US-Airlines hätten nach den Terroranschlägen vor einem Jahr Unterstützung bekommen. Und zwar wesentlich großzügigere als die europäischen, denn diesen seien nur die Ausfälle der ersten vier Tage und die nur teilweise ersetzt worden. AUA-Chef Vagn Sörensen bezifferte die amerikanischen Überbrückungshilfen mit rund 17 Mrd. Dollar. Der Wettbewerbsnachteil für die Europäer sei unübersehbar, betonte van den Wijk. Zum Vergleich: Die weltweiten Verluste der Airlines betrugen zwölf Mrd. Dollar. Heuer kommen fünf Mrd. hinzu. Sörensen wies darauf hin, dass zwar die Fluglinien in den vergangenen beiden Jahren sämtliche seit der Gründung des weltweiten Luftverkehrs verbuchten Gewinne verloren haben, doch gleichzeitig hätten manche Sektoren "erstaunliche" Gewinne ge 2. Spalte macht: die Flugzeugbauer und Treibstofflieferanten durchschnittlich 15 Prozent, die Caterer und Airports zehn und die Computerreservierungssysteme gar 30 Prozent. Auch die staatlichen Flugsicherungsunternehmen zielten primär auf Kostendeckung statt auf -effizienz ab, kritisierte Sörensen. Für van den Wijk sind Letztere "ganz klar zu teuer und noch dazu ineffizient", weshalb diese "möglichst rasch" zu einem "Single European Sky" zusammengefasst werden sollten. EU: Fusionen erlauben Sörensen geht davon aus, dass noch im Laufe dieses Jahres der Europäische Gerichtshof (EuGH) die kapitalmäßige Verschränkung von Flugge 4. Spalte sellschaften ermöglichen wird. Voraussichtlich werden die EU-Richter jene Klauseln in internationale Luftverkehrsabkommen, die die Mehrheit eines Landes an ihrer Fluggesellschaft an die Landerechte koppelt, für obsolet erklären. "Dann werden die Länder der Reihe nach diese Regelung annehmen", so Sörensen.(Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 31.08.2002)