Crawford/Texas/London - Die USA haben Gespräche mit dem Irak über eine Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren erneut abgelehnt, nachdem Großbritannien ein Ultimatum an die Regierung in Bagdad vorgeschlagen hatte. Es sei kein Raum für Verhandlungen bekräftigte am Freitag Regierungssprecher Scott McClellan die US-Haltung. "Die Position der Vereinigten Staaten ist, dass das irakische Regime seinen Verpflichtungen nachkommen muss", sagte Regierungssprecher Scott McClellan am Freitag. "Es gibt keinen Raum für Verhandlungen oder Gespräche." Der Irak müsse abrüsten und müsse "es jetzt tun", sagte McClellan auf der Ranch von US-Präsident George W. Bush bei Crawford. Die USA hatten mehrfach bekräftigt, notfalls mit Gewalt den Verzicht Iraks auf Massenvernichtungswaffen durchsetzen zu wollen. Einige ihrer europäischen Partner sind gegen einen Militärschlag.Abrüstungsverpflichtungen McClellan richtete sich nicht direkt an den britischen Vorschlag eines Ultimatums. "Ich habe keine Ankündigung darüber gesehen oder gehört", sagte der Sprecher Bush. Er bekräftigte dagegen die Haltung seiner Regierung, dass der Irak seinen Abrüstungsverpflichtungen mit den Vereinten Nationen (UNO) nach dem Golf-Krieg 1991 nachkommen müsse und dass die Rückkehr der Inspektoren nicht das oberste Ziel der USA sei. "Es geht nicht nur um Inspektionen. Es geht um Abrüstung". Bedrohung Der Irak stelle nicht nur für den Nahen Osten sondern für die ganze Welt eine Bedrohung dar, sagte McClellan. "Angesichts der Tatsache, dass das irakische Regime keine Anzeichen von Abrüstung oder der Bereitschaft zur Abrüstung gezeigt hat, garantieren uneingeschränkte Inspektionen allein keine Abrüstung." US-Vizepräsident Dick Cheney hatte in dieser Woche offen erklärt, auch mit der Zustimmung zu Waffeninspektionen könne Saddam Hussein die USA nicht von der Absicht abbringen, ihn zu stürzen. McClellan bekräftigte, die USA würden weiter ihre Verbündeten in der Irak-Politik konsultieren. Bush habe noch keine Entscheidung über einen Angriff auf Irak getroffen. Der US-Nachrichtensender CNN berichtete am Freitag, dass auch US-Außenminister Colin Powell gegen einen Angriff auf den Irak ohne die Unterstützung wichtiger Verbündeter ist. CNN berief sich auf einen namentlich nicht genannten "Vertrauten" Powells. Powell hatte in den letzten Tagen Telefongespräche mit vier europäischen Außenministern geführt, darunter Bundesaußenminister Joschka Fischer, dem EU- Außenkommissar Chris Patten und dem außenpolitischen Beauftragten der EU, Javier Solana. Bagdad verstärkt Verteidigungsnlagen Nach Erkenntnissen der US-Regierung verstärkt die irakische Armee ihre Verteidigungsanlagen um Bagdad. Wie am Freitag aus Regierungskreisen verlautete, werden die Stellungen für Panzer, Artillerie und Soldaten ausgebaut. Schweres Gerät werde dezentral gelagert, und Flugabwehrstellungen würden verlegt, um die irakische Hauptstadt besser zu schützen. "Es handelt sich um die größte Verteidigungsvorbereitung seit der Operation Desert Storm" während des Golfkriegs 1991, sagte ein Mitglied der Regierung von US-Präsident George W. Bush, das nicht genannt werden wollte. Der Irak nehme die Angriffsdrohungen der USA "sehr, sehr ernst", sagte der Regierungsbeamte weiter. Bagdad selbst werde von drei Panzerdivisionen der Staatschef Saddam Hussein treu ergebenen Republikanischen Garde verteidigt. Jede Division verfüge über 10.000 bis 15.000 Mann. In der Stadt seien weitere paramilitärische Einheiten stationiert. Saddam Hussein hat angekündigt, einen möglichen Kampf mit US-Streitkräften in den Städte seines Landes austragen zu wollen. US-Militärexperten sehen darin einen möglichen Nachteil für die US-Streitkräfte, deren hochtechnologisches Gerät besser für einen Flächenkampf gerüstet sei. Angesichts internationaler Skepsis erwägt der britische Premier Tony Blair einem Pressebericht zufolge Möglichkeiten für eine UNO-Resolution. Mit dieser sollte nach dem Willen Blairs ein Angriff auf Bagdad abgedeckt werden, schreibt die britische Tageszeitung "Financial Times" (Samstagsausgabe). Umfragen in den USA ergaben, dass die Überlegungen der Regierung dort ebenfalls kritisch gesehen werden. Außenminister beraten über Abrüstungsstreit Auch die Außenminister der Europäischen Union (EU) beraten seit Freitag im dänischen Helsingör unter anderem über den Abrüstungsstreit mit dem Irak. Sie setzen dabei eher auf die Rückkehr der Waffeninspektoren, als auf einen Militärschlag. Dennoch war nach Einschätzung von Diplomaten unklar, ob sich die Außenminister der Union auf ihrem informellen Treffen bis Samstag auf eine gemeinsame Linie verständigen können. Die Inspektoren waren 1998 abgezogen worden, da sie nach eigener Darstellung bei ihrer Arbeit von irakischen Behörden behindert wurden. Irak betrachtet die Inspektionen als abgeschlossen und bestreitet, Atom-, Chemie- oder Bio-Waffen herzustellen und zu lagern. (APA/Reuters/dpa/AP)