Berlin - Durch die Flutkatastrophe im Osten Deutschlands sind nach DIHK-Angaben 2.500 Betriebe vollkommen zerstört worden. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Braun, erklärte am Samstag, weitere 15.000 bis 18.000 Unternehmen hätten Schäden erlitten. Bundeskanzler Gerhard Schröder verteidigte die Finanzierung der Hilfen durch Verschieben der Steuerreform. Sein Herausforderer Edmund Stoiber kritisierte die "Steuererhöhungen" als schädlich für den Arbeitsmarkt. Braun sagte dem Berliner Fernsehsender n-tv, die Wirtschaft sähe es lieber, wenn die Fluthilfen durch Einsparungen und Umschichtungen im Bundeshaushalt mobilisiert würden statt durch eine Vertagung der für 2003 vorgesehenen Steuersenkungen. Entschieden sprach er sich dagegen aus, die Behebung der Schäden über die Bundesbankgewinne und damit über eine Aussetzung der Schuldentilgung zu finanzieren. Diese Überlegung hatte die Union ins Spiel gebracht. Solidarität und Anpacken Schröder sagte bei einem Wahlkampfauftritt in Schwerin, die Regierung setze auf das Prinzip der Solidarität und des Anpackens. Demgegenüber wolle die Union, wie schon zu Helmut Kohls Zeiten, "auf Kosten der kommenden Generationen leben". Die Flut habe gelehrt, dass rücksichtslose Ausbeutung der Natur nicht der Weg zu wirtschaftlichem Erfolg sei, sondern in die Katastrophe führe. Stoiber sagte dem "Spiegel", in einem Bundeshaushalt, der ohnehin nicht alles abdecke, könne man nicht ohne weiteres zehn Milliarden Euro umschichten. Der CSU-Chef wies Kritik zurück, die Union wolle neue Schulden machen. "Die meisten Fachleute sagen ganz klar: Steuererhöhungen - und die will die Regierung - sind die schlechteste Antwort, weil sie Gift für den Arbeitsmarkt sind." Lothar Späth, Wirtschaftsexperte im Wahlkampfteam Stoibers, forderte eine Staatsgarantie für von der Flutkatastrophe betroffene Mittelständler. Späth sagte der "Welt am Sonntag", viele der überfluteten Betriebe seien GmbHs. "Wenn die Überschuldung jetzt nicht sofort durch eine Staatsgarantie weggenommen wird, gibt es gleich zwei Probleme: erstens bei den Banken. Und zweitens müssen Hunderte von Betrieben Insolvenz anmelden." Bundeswirtschaftsminister Werner Müller plädierte im "Focus" dafür, die Entschuldung von flutgeschädigten Betrieben im vereinfachten Verfahren abzuwickeln. "Meine Vorstellung ist, dass die Aufbaubanken in den Ländern bei Schäden bis 50.000 oder 100.000 Euro ein pauschaliertes Verfahren anwenden. Bei Schäden und Schulden, die darüber liegen, werden wir Runde Tische mit Vertretern von Kommunen, Kammern, Banken und Unternehmen einrichten und im Einzelfall entscheiden." Hilfe für die Bürger will die Bundesregierung auch über das Internet koordinieren. Der "Berliner Zeitung" sagte die Leiterin des Hochwasser-Krisenstabs, Innen-Staatssekretärin Brigitte Zypries, sie habe die Bundesländer aufgefordert, Listen von Hilfsbedürftigen zusammenstellen und im Internet zu veröffentlichen. "Bei mir rufen viele Leute oder Unternehmen an, die für konkrete Projekte spenden wollen. Die möchte ich gerne mit denen zusammenbringen, die konkret Hilfe benötigen", zitierte das Blatt Zypries. (APA/AP)