Erasmus liegt voll im Trend

montage: derStandard.at
Das eine oder andere Semester im Ausland studiert zu haben macht sich nicht nur auf Bewerbungsschreiben gut. Man lernt auch andere Kulturen und Sprachen kennen und knüpft zahlreiche Kontakte - und das oft noch mit finanzieller Unterstützung durch die öffentliche Hand. Immer mehr Studenten nehmen deshalb Auslandsstipendien in Anspruch. Waren es im Studienjahr 1997/98 noch knapp über 4000 Studierende, die an ausländischen Universitäten ihren Horizont erweitert haben, zog es 2000/01 bereits rund 4800 Stipendiaten ins Ausland, heißt es im Bildungsministerium. Erste Ansprechstelle bei einem beabsichtigten Auslandsstudium sind die "Auslandsbüros" der einzelnen Universitäten (siehe Grafik). "An denen führt kein Weg vorbei", sagt Eva Müllner vom Österreichischen Austauschdienst (ÖAD). Dieser Austauschdienst bietet eine virtuelle Stipendiendatenbank ("Stima") an, wo nahezu sämtliche möglichen Stipendien nach gewünschtem Zielland abgerufen werden können. Und dort finden sich auch die nötigen Bewerbungsunterlagen und Einreichtermine. Das größte und beliebteste Austauschprogramm der EU ist das so genannte "Erasmus-Programm". Im heurigen Studienjahr wird der oder die Millionste Studierende in den Genuss eines durch Erasmus geförderten Auslands-studiums kommen. Ziel der Aktion ist es, die Mobilität der Studierenden zu steigern sowie durch die Förderung von transnationalen Partnerschaften zwischen Hochschulen die Qualität der Uni-Ausbildung zu verbessern. In Österreich gibt es Erasmus seit zehn Jahren. Im ersten Jahr des Bestehens nahmen nur etwa 800 Studierende das Programm in Anspruch, mittlerweile liegt diese Zahl bei über 3000, sagt Angelika Kronberger von der Sokrates Nationalagentur Österreich, der verantwortlichen Stelle für Erasmus. Das Auslandsstudium dauert zwischen drei und zwölf Monate. Die wichtigste Voraussetzung, um ein Erasmus-Studium beginnen zu können: Man muss bereits ein Jahr an einer österreichischen Universität absolviert haben. Der angenehme Effekt für die Studierenden: Für die Dauer ihres Aufenthaltes sind sie von Studiengebühren sowohl an der Heimat- als auch an der Gastinstitution befreit. Studierende an österreichischen Hochschulen erhalten als Erasmus-Studenten monatlich einen "Mobilitätszuschuss". Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Vollstipendium, sondern um einen Zuschuss zur Deckung der erhöhten Lebenshaltungskosten, betont Kronberger. Der Zuschuss besteht aus einem fixen EU-Anteil (für das heurige Studienjahr 151 Euro) und einem nationalen Anteil, der je nach Zielland variiert. Die höchsten Zuschüsse erhält man für ein Studium in Norwegen oder Island (195 Euro), nur 50 Euro werden für den Aufenthalt in EU-Kandidatenländern wie Tschechien, Bulgarien oder Polen gewährt. Ein Studium in den Reformstaaten Ostmitteleuropas im Rahmen des Erasmus-Programms ist seit 1997 möglich. Mittlerweile nehmen bereits Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, die Tschechische Republik, Ungarn, Polen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien an Erasmus teil. Speziell auf diese Staaten abgestimmt ist das Ceepus-Programm "Central Europe Exchange Program for University Studies". Dieses vermittelt Studien, Praktika und Sprachkurse in zentraleuropäischen Ländern. (Robert Zwickelsdorfer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2002)