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Wien - "Von einem generellen Stopp des Autobahnausbaus kann keine Rede sein, das ist nicht unsere Position", stellte Christoph Chorherr, der Chef der Wiener Grünen, am Sonntag im Gespräch mit dem S TANDARD klar. "Was wir aber sehr wohl wollen, ist ein Umdrehen der Prioritäten. Nach der Energiewende muss es auch zu einer Verkehrswende kommen. Die Prioritäten müssen ganz klar bei einem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur bei der Bahn liegen." Wenn etwa die Bahnverbindung Wien-Bratislava ausgebaut sei, dann müsse auch auf der Straße etwas passieren, meint Chorherr. "Und wenn Wiens Bürgermeister Michael Häupl den Ausbau einer Ostautobahn um Wien zur Koalitionsbedingung macht, dann kommt von uns ein klares Nein zu einer Lobau-Autobahn. Dann ist das auch eine Koalitionsbedingung." Dass hingegen Bratislava über eine Spange Kittsee an die Ostautobahn angebunden werden sollte, sei nicht das Problem. Chorherr: "Aber erst, wenn die Bahn ausgebaut ist."

SPÖ und Grüne streiten heftig über die Verkehrspolitik, seit sich die grüne Abgeordnete Eva Lichtenberger für einen Stopp des Autobahnbaus ausgesprochen hat. Die Grünen erneuern zwar ihre Kritik an der "Betonpartei" SPÖ, rudern aber vorsichtig zurück: Ein genereller Stopp des Autobahnausbaus sei nicht Linie oder Bedingung der Grünen.

"Gescheiterte Politik"

"Die SPÖ sollte sich endlich ans 21. Jahrhundert anpassen", sagt Eva Glawischnig zum STANDARD. Sie wirft dem möglichen Koalitionspartner einen "Betonreflex" vor. Glawischnig: "Wesentlich ist die Frage: Wo investiert man die knappen Mittel für die Verkehrsinfrastruktur. Wenn sich die SPÖ jetzt hinstellt und ihre Infrastrukturpolitik lobt, muss man sagen, die Realität bestätigt das Gegenteil. Was jetzt an erbärmlichem öffentlichem Verkehr vorhanden ist, ist das Ergebnis einer gescheiterten SPÖ-Verkehrspolitik der vergangenen 25 Jahre."

Glawischnig erinnert an den "erbärmlichen Zustand" der Wiener Bahnhöfe, an das "Scheitern" des Zentralbahnhofs Wien-Mitte oder die "jämmerliche Bahnverbindung" Wien-Bratislava. "Für uns ist es wichtig, die Eisenbahn-Infrastruktur auszubauen." Glawischnig fordert, dass mit einer höheren Lkw-Maut nicht nur die Straßenbahn, sondern bevorzugt der Ausbau des Schienennetzes finanziert werden müsse. (völ/DER STANDARD, Printausgabe, 7.10.2002)