Wien - Walter Barfuß, Generaldirektor der im Juli neu geschaffenen österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde, will die neuen Verträge im österreichischen Autohandel prüfen. Diese wurden mit der Umstellung des europäischen Vertriebsrechtes seitens der Hersteller und Importeure vorgelegt. Barfuß will jetzt die Vorgänge auf eventuelle Missbräuche von Marktmacht untersuchen. Meist wurde ganzen Händlernetzen en bloc gekündigt und neue Verträge angeboten, die der seit 1. Oktober EU-weit geltenden "Gruppenfreistellungsverordnung" (GVO) angepasst sein sollten. Es sei an ihn, Barfuß, herangetragen worden, dass die Vertragsumstellung dazu genutzt wurde, um sich mancher Händler zu entledigen, so der ehemalige Anwalt im S TANDARD -Gespräch. Solche "Strukturkündigungen" wurden von den Autoimporteuren in Österreich stets dementiert. "Wir werden gegebenenfalls Brüssel einschalten", so Barfuß weiter. Voraussichtlich sollen zunächst einmal Fragebögen ausgeschickt werden. Die Wettbewerbskommission, das beratende Expertengremium, hat im Schwerpunktpapier für das Jahr 2003 ebenfalls vorgeschlagen, die neuen Autoverträge genauer unter die Lupe zu nehmen. Rechtswidrigkeiten Der Wiener Rechtsanwalt Friedrich Knöbl, unter anderem Vertreter der Händlerverbände der Marken Mercedes, Citroen und Peugeot, sagte im S TANDARD -Gespräch, er habe in Vertragsentwürfen bereits Rechtswidrigkeiten gefunden. Seiner Meinung nach hätten sich vor allem in Vertragsentwürfen für Werkstätten wieder rechtswidrige Klauseln eingeschlichen. So werde Reparateuren nach wie vor vorgeschrieben, wo sie ihre Ersatzteile zu kaufen haben, obwohl dies laut der neuen GVO eindeutig verboten sei. Die Arbeiterkammer indessen forderte Barfuß auf, auch bei den Autoversicherern tätig zu werden. Vorwurf: "abgestimmtes Verhalten bei der Prämienfestsetzung". Diese Sparte war in den vergangenen Jahren bei den Versicherern chronisch negativ.(Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe 10.10.2002)