Wien - Rund zwei Millionen Menschen dürften in Österreich insgesamt an Krankheiten des rheumatischen Formenkreises leiden. Doch viele Betroffene gehen zu spät zum Arzt, zu spät kommen sie auch schließlich zum Spezialisten. Das erklärten am Donnerstag Fachleute der österreichischen Rheumaliga aus Anlass des internationalen Rheumatages (12. Oktober) bei einer Pressekonferenz in Wien.450 mögliche Diagnosen "In den den Krankheiten des rheumatischen Formenkreises sind rund 450 Diagnosen drin. Etwa zwei Millionen Menschen leiden an Erkrankungen des Bewegungsapparates. Die Versorgungssituation ist absolut unbefriedigend. Wir haben weiße Flecken auf der Landkarte. Im Burgenland gibt es zum Beispiel weder eine Rheumaambulanz noch einen einzigen Rheumatologen", erklärte der Wiener Spezialist Univ.-Prof. Dr. Hans Bröll (Kaiser-Franz-Josef-Spital). Die Konsequenz laut dem Rheuma- und Knochenspezialisten: "77 Prozent der (österreichischen, Anm.) Patienten mit chronischer Polyarthritis (Gelenksrheuma, Anm.) werden nicht ordentlich behandelt." In Österreich gibt es derzeit nur 172 Rheumatologen, von denen aber nur 80 in diesem Fachgebiet wirklich tätig sind. Unwissen Die Präsidentin der österreichischen Rheumaliga, Daniela Loisl, hat bei ihrer Polyarthritis ähnliche Erfahrungen gemacht: "Es hat fünf Jahre gedauert, bis ich in eine Rheumaambulanz gekommen bin." Gerade bei der chronischen Polyarthritis, bei der immunologische Prozesse zu entzündlichen Schüben führen, welche die betroffenen Gelenke zerstören, käme es auf eine frühzeitige Diagnose und Therapie an. Doch auch den Betroffenen ist offenbar bei weitem nicht immer der Ernst der Lage bewusst. Univ.-Doz. Dr. Attila Dunky vom Wiener Wilhelminenspital zitierte aus einer internationalen Untersuchung, bei der jüngst 5.000 Patienten und 1.000 Ärzte befragt wurden: "Es handelt sich um eine Erkrankung, die weh tut. Doch ein Großteil der Patienten geht nicht zum Arzt. Das verstehe ich nicht. 27 Prozent der Patienten, die Schmerzen hatten, hatten nie einen Arzt aufgesucht. 20 Prozent derjenigen, die den Arzt aufgesucht hatten, gingen nie wieder hin. Wir wissen heute, dass das erste Jahr bei einer Gelenkserkrankung entscheidend ist." Zerstörungen an den Gelenken können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Deshalb ist die schnelle Diagnose und Behandlung der chronischen Polyarthritis so wichtig. Damit ließe sich der größte Teil bleibender Invaliditäten verhindern. (APA)