Wien - Expräsident Michael Gorbatschow ist bezüglich der Entwicklung der russischen Wirtschaft sehr zuversichtlich. Das beste Indiz, dass die schwere Krise überwunden ist: Die Fluchtgelder - nach seinen Berechnungen immerhin unfassbare 138 Mrd. Dollar - beginnen zurückzufließen. "Wir beobachten, dass zum Beispiel aus Zypern wieder viel russisches Kapital zurückkehrt. Das ist ein Zeichen, dass jetzt der Zeitpunkt zum Investieren gekommen ist", erklärte er kürzlich in Wien aus Anlass der Vorstellung des neuen Russland-Aktienfonds der Capital Invest. Zunehmende Stabilität und ein abnehmendes Länderrisiko konstatiert auch Paul Severin, gemeinsam mit Alex Dimitrof Manager des CI Russia Stock. "Emerging", sagt er, "bedeutet eine Kombination aus Value und Growth." Genau das findet er am russischen Aktienmarkt. Das wird auch von internationalen Konzernen zunehmend erkannt. Neben den internationalen Ölkonzernen, die sich wie BP an der Exploration im russischen Fernost beteiligen, zählt Severin so prominente Namen wie Danone, Heineken, Nestlé, GM und Ford als Russland-Investoren auf. Öl- und Gaswerte Der Russia Stock weist vorerst keine breite Streuung auf, sondern hat ein Übergewicht (siehe Grafik) bei Öl- und Gaswerten. Das hat seine Gründe, sagt Severin: "Wir konzentrieren uns zu 90 Prozent auf Aktien, die auch an westlichen Börsen gelistet sind und damit den internationalen Rechnungslegungsvorschriften unterliegen." Und darunter haben die Energie-Papiere den größten Anteil. Außerdem notieren russische Öl- und Gasaktien im Schnitt mit einem Discount von 61 Prozent gegenüber dem KGV vergleichbarer westlicher Firmen. Genau hier könnte auch das Problem des Russland-Fonds liegen: Es gibt noch nicht genug Auswahl für eine breite Streuung des Risikos. Außerdem haben gerade die Werte, in die hauptsächlich investiert wird, den rasanten Aufschwung des russischen Aktienmarktes getragen. Allein im ersten Halbjahr 2002 legte der Index der Moskauer Börse um 36 Prozent zu, in den letzten drei Jahren sogar 188 Prozent. (dol, DER STANDARD, Printausgabe 14.10.2002)