Tokio - Zum ersten Mal seit Jahrzehnten haben fünf von nordkoreanischen Agenten entführte Japaner in ihre Heimat zurückkehren dürfen. Unter Freudentränen umarmten sie am Dienstag auf dem Flughafen von Tokio ihre Angehörigen. Die Fünf sind vermutlich die einzigen Überlebenden einer Gruppe von mehr als einem Dutzend Japanern, die in den 70er und 80er Jahren nach Nordkorea entführt wurden. Dort sollten sie die Ausbildung von Spionen in japanischer Sprache und Kultur unterstützen."Nicht das Ende der Geschichte Die Angehörigen der Verschleppten ersuchten darum, den Aufenthalt nicht zu stören. So kam der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi nicht zum Flughafen, sondern gab eine Erklärung heraus, in der er ihnen eine schöne Zeit in ihrer Heimat wünschte. Es schmerze ihn, an all ihr Leid und ihre Schmerzen zu denken. "Ich bin verwirrt. Ich weiß nicht, was ich denken soll. Aber ihre Heimkehr ist nicht das Ende der Geschichte", sagte die Mutter von Kaoru Hasuike, der als 20-jähriger Student im Jahr 1978 gemeinsam mit seiner Freundin entführt worden war. Außerdem durfte ein im selben Jahr entführter Tischler mit seiner ebenfalls verschleppten Lebensgefährtin nach Japan zurückkehren sowie eine heute 43-jährige Frau von der nordjapanischen Insel Sado. Normalisierung der Beziehungen nicht in Sicht Die Regierung in Pjöngjang hatte die Entführungen jahrelang bestritten. Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Il beendete dies vor einem Monat bei einem Treffen mit Koizumi und machte "Elemente im Militär" für die Verschleppungen verantwortlich. In Tokio wird vermutet, dass tatsächlich 50 bis 60 Personen aus Japan entführt wurden. Eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Japan und Nordkorea ist trotz der jüngsten Geste Pjöngjangs nicht in Sicht. Von den 13 bekannten Verschollenen sind acht nach nordkoreanischen Angaben inzwischen verstorben. Einer soll sich das Leben genommen haben, zwei sollen einer Gasvergiftung erlegen sein und andere bei Autounfällen ums Leben gekommen sein. Die Überlebenden durften ihre Ehegatten und Kinder nicht mit nach Japan mitnehmen. (APA)