Jakarta - Vier Tage nach dem verheerenden Anschlag auf Bali hat die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri eine Sitzung mit den wichtigsten Ministern ihres Kabinetts einberufen. Nach Angaben ihres Pressesprechers dient die Sitzung am Mittwoch in erster Linie zur Vorbereitung der nächsten Auslandsreisen der Präsidentin. Aus Regierungskreisen hieß es dagegen, im Mittelpunkt der Beratungen dürften die Ermittlungen der Polizei sowie die möglichen Auswirkungen des Anschlags auf die Wirtschaft des Landes stehen. Megawati steht unter wachsendem Druck der USA und Australiens, hart gegen islamistische Extremistengruppen vorzugehen, die im Verdacht stehen, Kontakte mit dem mutmaßlichen Terrornetz El Kaida zu unterhalten. Am Vormittag wollte sie auch mit dem australischen Außenminister Alexander Downer zusammenkommen, dessen Land die meisten Opfer bei dem Anschlag verzeichnete. Megawati will am Gipfel des Asien-Pazifikforums (APEC) im Oktober in Mexiko und im November am Gipfel der ASEAN-Staaten in Kambodscha teilnehmen. Unter dem Eindruck der Anschläge gab sie jedoch ihren ursprünglichen Plan auf, die beiden Reisen mit Besuchen in Venezuela und Kuba zu verknüpfen. Die Zeitung "Jakarta Post" rief die Präsidentin dazu auf, auch auf das APEC-Treffen zu verzichten. Angesichts der "kritischen innenpolitischen Lage" solle sie zu Hause bleiben und sich darum kümmern, dass die Behörden ihre Arbeit tun, die Verantwortlichen der Anschläge finden und sie vor Gericht bringen, unterstrich die Zeitung in ihrem Kommentar. Acht Attentäter Unterdessen gingen die Spekulationen über den Hergang der Bombenanschläge weiter. Nach einem Bericht der gewöhnlich gut informierten Zeitung "Koran Tempo" gehen die Ermittler davon aus, dass insgesamt acht Attentäter mit zwei Lieferwagen an dem Anschlag in dem Touristenort Kuta beteiligt gewesen seien. Die Attentäter seien ungewöhnlich professionell vorgegangen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Vertreter von Polizei und Geheimdienst. Einen der beiden Wagen hätten sie für ihre Flucht genutzt, während sie mit Hilfe eines Zeit- oder Fernzünders die Sprengladung in dem zweiten Wagen zur Explosion gebracht hätten. Anführer der Gruppe sei ein Mann saudiarabischer Herkunft gewesen. Polizeichef Da'i Bachtiar widersprach diesen Berichten. Nach seinen Angaben wird nach einem Verdächtigen gesucht, der kurz vor der Explosion einen weißen Plastiksack deponiert habe und dann geflüchtet sei. Augenzeugen hätten eine genaue Beschreibung des Mannes abgegeben. Am Dienstag hatte ein Polizeisprecher mitgeteilt, die Ermittlungen konzentrierten sich auf zwei Indonesier, die sich bei der Vernehmung in Widersprüche verstrickt hätten. Sie sollen in Verbindung zu einem dritten Mann stehen, dessen Ausweis am Tatort gefunden wurde. Dem indonesischen Geheimdienst zufolge wurde bei dem Anschlag Plastiksprengstoff C4 verwendet, der normalerweise vom Militär eingesetzt wird. (APA)