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apa/grossruck
Innsbruck - Nach einem Jahrzehnt des "großen Booms" bei Gewerbeimmobilien, in dem nach verbreiteter Meinung auf einen enormen Nachholbedarf reagiert worden sei, ist nun in Innsbruck von "Konsolidierung" die Rede. Das gilt im wesentlichen für alle Bereiche von Büro- über Handels- bis zu Immobilien für das produzierende Gewerbe. Bei den Büroimmobilien wird einhellig von einem Trend hin zur Qualität gesprochen. "Gesucht wird das gehobene und flexible Büro", sagt der Fachgruppenobmann der Tiroler Immobilienmakler, Jakob Mayer. Gert Arnold von Raiffeisen Immobilien sieht es ähnlich: "Vor allem bei Dienstleistern wird die Ausstattung immer mehr zur Imagefrage". Modulare Einheiten In Innsbruck entstehen die neuen, schnell adaptierbaren, modularen Büroeinheiten in den - relativ zentrumsnahen - Randlagen, vor allem in kleineren Bürokomplexen mit rund 3000 Quadratmetern Nutzfläche, wie etwa dem Competence Center Innsbruck (CCI) oder dem Life Science Center am Mitterweg. Dort haben sich Unternehmen des Tiroler Bio-Medizin-Clusters angesiedelt. Auch Zweigstellen von Versicherungen sind nun am Stadtrand in der infrastrukturell deutlich verbesserten Gewerbezone Innsbruck Ost zu finden: Hier arbeiten outgesourcte mobile Mitarbeiter in Bürogemeinschaften. "Ich würde zu großen Bürohäusern, also so ab 5000 Quadratmetern, nicht mehr raten", sagt Leonhard Pertl, Geschäftsführer der AP Immobilienberatung. Einzige Ausnahme: der im Mai eröffnete Innova-Business-Park am Schusterbergweg, ein Gemeinschaftsprojekt von Siemens, Concorde und der Wiener Städtischen Versicherung, mit 40.000 Quadratmetern Gesamt- und 33.000 Bürofläche. Preise konsolidiert Fachgruppenobmann Mayer sieht die Preise "konsolidert, eher im Sinken. Der Markt ist hier nicht explosiv". Acht bis neun Euro pro Quadratmeter seien in Innsbruck durchschnittlich für gute Büroräume zu bezahlen, im Zentrum wie an den verkehrstechnisch gut angebunden Randlagen. Um zehn Euro werden laut Pertl die Büros im CCI angeboten, das Mitte 2003 bezugsfertig sein wird. Zum Vergleich: In Wien liegen die Top-Mieten für Dienstleister offiziell doppelt so hoch (laut Insidern bei 14 Euro), in München wird das Fünffache von Innsbruck hingelegt. Einer der Gründe für die Preisentwicklung: das von Renate Haberzettel vom österreichischen Verband der Immbobilientreuhänder konstatierte "Überangebot an Büros". Dabei ist im Stadtzentrum in den nächsten Jahren mit weiterem Freiwerden von Flächen zu rechnen: Dann nämlich, wenn das Landhaus II fertiggebaut sein wird und die Bediensteten die über die Innenstadt verteilt angemieteten Räumlichkeiten verlassen werden. Handel im Wandel Große Veränderungen sind beim Handel zu bemerken. Nachdem sich mit dem "Cyta" im Westen neben dem "Dez" im Osten ein weiteres großes Einkaufszentrum durch neue Fachmärkte "perfektioniert" hat (Mayer), sind für Geschäftslokale in B-Lagen der Innenstadt (Wilten, Pradl) kaum mehr Mieter zu finden. Aber auch in A2-Lagen, wie etwa der Museumstraße sinken laut Mayer die Preise, und zwar nahezu um die Hälfte: von ehemals 400 Schilling auf gut 15 Euro. Anders gesagt: Die B-Lagen rücken näher ans Zentrum heran. "Und auch die A-Lagen werfen nicht nur Gewinn ab", sagt Jakob Mayer. Ein neuer Magnet für Kunden ist mit der neuen Rathaus-Galerie von Dominique Perrault in der Maria-Theresien-Straße entstanden, die zweite neue, überdachte Einkaufsmeile neben der Hörtnagl-Passage. Ob der auch der Neugier zu verdankende Andrang in der eben eröffneten Rathaus-Galerie weiterhin anhalten wird, bleibt aber wohl abzuwarten. (Benedikt Sauer/DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2002)