Wien - Bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) hat sich nach den Protesten der vergangenen Tage das Klima merklich entspannt. Nach der gestrigen Einigung zwischen Vorstand und Gewerkschaft sprach der oberste Eisenbahner-Vertreter Wilhelm Haberzettl am Donnerstag von einem "Zeichen des guten Willens" der Unternehmensleitung. Die Entwicklung der ÖBB verlaufe wieder auf vernünftiger Schiene, sagte Haberzettl. Unternehmensleitung und Belegschaft hatten sich am Mittwochabend in den Kernpunkten der Diskussion geeinigt und eine Ausweitung des sozialen Dialogs vereinbart. Den Überstunden-Boykott bei den Lokführern und in den Werkstätten hat die ÖBB-Belegschaft damit am Donnerstag beendet. Vereinzelt ist es am Donnerstag dennoch zu weiteren Ausfällen gekommen. Spätestens am Freitag soll der Regelbetrieb aber wieder hergestellt sein, hieß es am Donnerstag aus dem Management. Einigung praktisch in letzter Minute Die Einigung kam praktisch in letzter Minute. Wäre es zu keiner Lösung des Konflikts gekommen, hätte die Gewerkschaft bereits am Donnerstag den "Dienst nach Vorschrift" auf den gesamten Personen- und Güterverkehr ausgedehnt. Waren zuletzt nur rund 100 Züge im Raum Wien betroffen, hätte dies voraussichtlich zu Ausfällen in ganz Österreich geführt. Die Gewerkschaft hatte vor allem einen massiven Überstunden-Überhang bei den Lokführern beklagt. Nun soll laut Haberzettl gemäß der Einigung die Zahl der Lokführer dank einer Erhöhung der Ausbildungsquote konstant gehalten werden. Statt derzeit 120 sollen zunächst jährlich 180 bis 200, später an die 300 Lokführer neu ausgebildet werden - genau so viele, wie das Unternehmen verlassen. Und: Die ausgelernten Lehrlinge sollen vom Unternehmen dann auch tatsächlich übernommen werden, so das Agreement. Reformpakt bekämpfen Gleichzeitig wollte die Belegschaftsvertretung aber auch ein Reformpakt bekämpfen, mit dem das Management Lohnkosten senken und einzelne Unternehmensbereiche ausgliedern wollte. Wie Haberzettl am Donnerstag weiter erklärte, hat der Vorstand dieses Maßnahmenpaket nicht zurückgenommen. Dass die Ertragssituation verbessert werden müsse, sei klar. Man habe sich aber darauf geeinigt, dass zunächst alle denkbaren Schritte einer Marktoffensive unternommen würden, bevor der Vorstand über Maßnahmen auf Kosten des Personals nachdenke. Der ursprüngliche Plan des Managements, bis 2007 rund 7.000 der derzeit 47.000 ÖBB-Mitarbeiter abzubauen, ist für den Gewerkschaft nach der Vereinbarung "in dieser Form kein Thema mehr". Sollten dennoch Maßnahmen notwendig werden, werde man einen "sozialen Dialog" führen. Außerdem habe man fix regelmäßige Gespräche vereinbart, die quasi als "Frühwarnsystem" für mögliche Personalschritte dienen sollen, so Haberzettl.(APA)