Fast 60 Jahre nachdem US-Militärpilot James R. Fox auf seinem Rückflug aus Kunming (Südwestchina) über dem Himalaja abstürzte, bringt die Erinnerung an seinen Tod Peking und Washington einander näher. Am morgigen Dienstag wird in der Bibliothek der Präsidentenfamilie Bush im texanischen Houston eine Bronzestatue des am 11. März 1943 verunglückten Versorgungsfliegers enthüllt. Chinas Staatspräsident Jiang Zemin hat die eingravierten Schriftzeichen selbst gepinselt. Fox gehörte zu den 1500 Amerikanern und Chinesen, die bei 468 Flugzeugabstürzen während einer Luftbrücke im Zweiten Weltkrieg starben, als Chinesen und Amerikaner gegen die Japaner kämpften.Die Feier in Houston bildet den Auftakt für Jiang Zemins viertägigen USA-Besuch. Zum Höhepunkt sind er und seine Frau am Freitag vom US-Präsidentenehepaar auf dessen texanische Crawford-Ranch eingeladen. "Bush erwartet Jiang Zemin zum Grillen" titelte das im Parteiverlag erscheinende Pekinger Massenmagazin Global Times. Wenige Tage vor dem Treffen hat Peking eine proamerikanische Medienkampagne gestartet, um die Bevölkerung auf eine positive Wende vorzubereiten. Eine Stunde wollen beide Präsidenten ohne Begleiter heikle Probleme unter vier Augen bereden, hieß es in Peking. Bush braucht China nicht nur als Partner gegen den Irak, sondern aktuell auch als einziges Land, das Druck und Einfluss auf das Atomwaffen bauende Nordkorea ausüben könnte. Der US-Präsident sei im Gegenzug bereit, Washingtons unter Misstrauen und Vorbehalten stehendes Zweckbündnis mit Peking zu entkrampfen. Jiang Zemin kommt als Staatspräsident, Parteichef und Armeeführer in einer Person. Er hat für seinen USA-Besuch den 16. Parteitag, auf dem er aus Altersgründen den Vorsitz an Nachfolger Hu Jintao abgeben will, auf den 8. November verschieben lassen. Der 76-Jährige will zuvor selbst die Beziehungen zu den USA ins Lot bringen. Er hat die Losung ausgegeben, dass China mit den USA als größtem Handelspartner und Investor politisch und wirtschaftlich mehr verbindet als trennt. Mit ihrem dritten Treffen in nur einem Jahr demonstrieren beide Präsidenten "eine enge Verbundenheit" sagte USA-Abteilungsleiter He Yafei im Außenministerium. Auch unterschiedliche Ansichten über eine Irak-Lösung könnten einen Erfolg des Gipfels nicht beeinträchtigen. Die USA hätten zudem die Debatte wieder in die UN zurückgebracht. "Wir begrüßen diese Entwicklung." Die Nordkorea-Frage werde als neues Thema die Tagesordnung in Crawford dominieren, kündigte bereits US-Außenminister Colin Powell an. Abgesandter James Kelly erhielt am Wochenende von Peking die Versicherung, dass "Chinas Regierung jegliche Atomwaffen auf der koreanischen Halbinsel entschieden ablehnt". Westliche Diplomaten erwarten, dass Peking bereit ist, Druck auf Pjöngjang zum Stopp seines Atomwaffenbaus auszuüben, schon um eine Kriegsdrohung wie gegen den Irak zu verhindern.(DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2002)