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apa/dpa/grubitzsch
Wien - "Mädchen fühlen mehr Stress", erhob Ingrid Kromer vom Österreichischen Institut für Jugendforschung. Sie macht damit einen Befund aus dem von Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (SP) präsentierten "Wiener Jugendgesundheitsbericht 2002" deutlich: Immer mehr Jugendliche leiden an Zivilisationskrankheiten. Angst und Stress würden Burschen und Mädchen zunehmend belasten, da werde Alkohol getrunken und Zigaretten geraucht. Eine weitere Zivilisationserscheinung: Bereits mehr als 2000 Wiener Jugendliche haben Essstörungen. Ein Drittel der jungen Frauen sei untergewichtig, so Jugendforscherin Kromer, jeder achte Bursch dagegen trägt zu viele Kilos auf den Rippen. Jugend trinkt Ein nächster Befund zur Befindlichkeit klingt da nur wie eine Ergänzung: Vier von zehn der 14- bis 24-Jährigen (Definition der Altersgruppe der "Jugendlichen") treibe keinen Sport. Vor allem bei den jungen Frauen sieht Kromer "aufgrund ihrer Sozialisation weniger Zeit für Bewegung", Zeit würde eher für familiäre Verpflichtungen aufgewendet. Die Studie, die auf Sekundärdaten vorhandener Analysen diverser Gesundheitsorganisationen beruht, weist aus, dass "Alkoholmissbrauch seit 1998 in allen Altersgruppen gesunken ist". Besonders erfreulich sei dies bei den 15-Jährigen zu bemerken. Einmal mehr sind damit aber unterschiedliche Zahlen zum Alkoholgenuss im Umlauf. Wie DER STANDARD berichtete, hat kürzlich das Österreichische Jugendrotkreuz vor mehr Trinkfreudigkeit bei 11-Jährigen gewarnt. Diese Zahlen wurden vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Suchtforschung aber relativiert: Der Beginn der Pubertät hätte sich nach vorn verschoben. Zudem müsse man in Studien Mehrfachnennungen von Bier, Wein, Schnaps berücksichtigen. Thesen, die man auch beim Jugendforschungsinstitut teilt: "Alkohol ist keine Droge, die von Jugendlichen in großen Mengen getrunken wird." Dennoch trachtet man in den Bundesländern, die Gesetze für Alkoholkauf durch Jugendliche zu verschärfen und zu harmonisieren. Die Konsequenz aus den Befunden der Jugendstudie lautet nun: Es müsse mehr "zielgruppengerechte Vorsorge" geben, resümiert Hannes Schmiedl, Leiter für Gesundheitsplanung in Wien. "Denn ein jugendlicher Migrant hat andere Probleme als ein Berufsschüler". (aw/DER STANDARD, Printausgabe, 22.10.2002)