Der Innenski galt lange Zeit als kaum belastbar. Jetzt ist seine Zeit gekommen. Der Innenski tauscht, dank neuer Technologie, das fehlerhafte Image gegen dynamischen Genuss. Wer auf den Innenski vertrauen kann, ist nah am Schnee. Dabei entstehen Eindrücke die den Bewahrern alter Traditionen oft verborgen bleiben. Symbolisch steht der Innenski an dieser Stelle für einen etwas anderen Einblick in die Skiszene.

Der erste Schnee löst unterschiedliche Emotionen aus. Autofahrer bekommen manchmal schon bei den ersten Flocken kalte Füße, Kinder und Romantiker leuchtende Augen. Für Skirennläufer bedeutet der erste Schnee in tieferen Lagen das Ende von Trainings in frostigen Gletscherwüsten, die Rückkehr in Vegetation und Zivilisation. Beim ersten entscheidenden Meeting dieser Saison treten die Athleten aber noch im ewigen Eis wieder in Kontakt mit Kollegen aus aller Welt und Rennatmosphäre. Im Spannungsfeld von Wiedersehensfreude, Konkurrenz, Selbstvertrauen und Nervenflattern begeben sie sich an den Saisonstart. Dieses Gefühl ist trotz Routine, jedes Jahr so neu wie erster Schnee.

Skirennen für Damen und Herren in Val d’ Isère finden seit 1955 als „Kriterium des ersten Schnees“ statt, doch schon längst nicht mehr zu dem Zeitpunkt den der Name vorgibt. In den ersten Jahren des Rennens war Val d’ Isère der einzige Ort, der schon im Dezember internationale Wettläufe veranstaltete. Bis Mitte der neunziger Jahre reiste man um Nikolo zur Saisoneröffnung, die, neben der Nagelprobe für Form und Material, Sportlern meistens romantisch verschneite Atmosphäre bot. Doch der Weltcup hat in den letzten Jahren, gemeinsam mit dem europäischen Winterklima eine drastische Veränderungsphase erlebt. Skirennen in romantisch verschneiter Umgebungen unterhalb der Baumgrenze, sind rar geworden.

Dafür erfüllen Gletscherregionen das Kriterium des ersten Schnees meistens schon im September. Sölden hat den Weltcupauftakt seit einigen Jahren von den Franzosen übernommen. Anlässlich des allgemeinen Ausrufs des Winters am 25. Oktober, den sich kein Schneefreak, der auf sich hält, entgehen lässt. Dieser vorzeitige Wintereinbruch wurde zum Teil als wirtschaftliches Kriterium der „Snowsportindustry“ eingeführt, da der Winter schon oft ab Stefanietag schlussverkauft wird. Auch wenn der durchschnittliche mitteleuropäische Organismus auf Winterbetrieb im Oktober wenig eingestellt ist und die Chronometer beim Damenriesentorlauf noch nach Sommerzeit justiert werden, sind Zeiten in denen man am Christtag im neuen Outfit die ersten Schwünge des Winters wagte passe.

Wer Alternativen zwischen Mitmachen und Ignorieren sucht, verknüpft am besten den FIS Eventkalender mit dem traditionellen chinesischen Jahresweiser. Dort beginnt der Winter bereits am 16. November. Vom 18. Oktober bis zum 15. November ist die Übergangszeit festgelegt. Der Drang zu ersten Schwüngen ab Mitte Oktober lässt sich so fernöstlich oder alpin erklären und eisige Warteschlangen auf Gletschern im November kalendarisch stichhaltig rechtfertigen. Insgeheim darf man sich beim Frieren ein wenig nach Altweibersommermilde oder dem Frühling sehnen. Letzterer bietet dann sonnenhungrigen Genießern einsames Firnvergnügen. Denn das internationale Frühlingskriterium ist aus den Rennkalendern schon lange verschwunden und für Urlauber Badevergnügen am Strand. (Nicola Werdenigg)