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Peter Pakesch: "Städtebaulich ist das in Graz viel prägnanter gelöst"

Foto: APA/GEPA pictures
"Einbildung - das Wahrnehmen in der Kunst" wird die erste Ausstellung im derzeit in Bau befindlichen Grazer Kunsthaus heißen: Sein Leiter, Joanneum-Chef Peter Pakesch , hofft im Gespräch mit Gerfried Sperl auch auf urbane Synergien sowie einen verstärkten Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst. STANDARD: Die Programmplanungen für das Kunsthaus, das in etwa einem Jahr eröffnet wird, sind im Gang? Pakesch: Teil eins wird die Eröffnung selbst sein, wo Bild- und Klanginstallationen die Architektur einstimmen. Teil zwei wird die Ausstellung Einbildung - das Wahrnehmen in der Kunst sein. Damit werden, wie überhaupt auch mit anderen Ausstellungen in den ersten zwei Jahren, die Räume abgetestet. STANDARD: Die Außenhaut der "Blase" ist materialmäßig fixiert, es wird Plexiglas. Das Ganze ist so sensibel gestaltet, dass hier - Stichwort Wahrnehmung - die ganze Zeit über auch Botschaften an die Stadt abgegeben werden. Was ist da konkret geplant? Pakesch: Es ist natürlich eine spektakuläre Möglichkeit, dass a) die Gebäudefassade als Bildschirm funktioniert - etwas, womit sich Künstler in den letzten Jahren viel auseinander gesetzt haben. Und b) wird es für mich interessant sein, einzelne Künstler, die mit Text arbeiten, und Schriftsteller zu involvieren. STANDARD: Was könnte sich da im Vergleich zum Wiener Museumsquartier entwickeln? Pakesch: Städtebaulich ist das in Graz viel prägnanter gelöst. Was mich am meisten begeistert, ist die Durchlässigkeit des Entwurfs. Dadurch kann man diesen urbanen Raum sehr gut ausnützen. Außerdem sollen Nachbarhäuser ebenfalls für kulturelle Zwecke genutzt werden. STANDARD: Wie sieht das in weiterer Folge aus? Sehen Sie im kleineren Grazer Maßstab ähnliche Beeinflussungsmöglichkeiten, wie sie etwa in Paris vom Centre Pompidou bewirkt wurden? Pakesch: Das ist alles schon im Gange. Geschäfte oder Wirtshäuser in der Gegend nennen sich ja bereits "Zum Kunsthaus". Es ist das Hauptquartier Graz 2003 in der Nähe, und es sind auch schon einige junge Architekturbüros dorthin gezogen. STANDARD: Sie sind auch Chef des Joanneums, einer Institution, die aus der Alten und Neuen Galerie sowie naturwissenschaftlichen Einrichtungen besteht. Wie wird das weiterentwickelt? Pakesch: Das ist einer der wichtigsten Punkte, warum mich diese Position so interessiert hat: die Chance, die sich aus der Verbindung zwischen Kunst und Wissenschaft in ein und derselben Institution erschließt. Wenn ich im Kunsthaus mit der Wahrnehmung beginne, dann peile ich noch weitere Themen an: Bewegung, Struktur und Wissen - alles Ausstellungen, die in den nächsten fünf Jahren stattfinden werden. Parallel dazu sollen dann im Joanneum auch die naturwissenschaftlichen Sammlungen neu eingerichtet werden. STANDARD: Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Ost- und Süderweiterung auf den Kunstbetrieb auswirken? Pakesch: Das Phänomen Osteuropa beschäftigt uns jetzt seit mehr als 15 Jahren. Dabei ist viel passiert, aber es hat auch viele uneingelöste Erwartungen und Projektionen gegeben. STANDARD: Die Osteuropäer sind aber daran interessiert, überhaupt gleich den Sprung nach Paris, London oder New York zu schaffen und nicht nach Wien. Pakesch: Österreich hat vielleicht nicht genug gemacht, aber wir unterschätzen, dass viele Künstler über Graz oder Wien erst den Kontakt zum Westen gefunden haben. Ein Ilja Kabakov erinnert sich heute noch daran, dass sein erster Schritt in den Westen Graz war. Es gibt Künstler, die mit einer prinzipiellen Sympathie angekommen sind. Da hat Graz eben die gute Tradition, dass die Neue Galerie zuerst nach Jugoslawien, dann nach Ungarn aufgemacht hat. Ich möchte diesen Gedanken gerne wieder aufnehmen: dass man zwischen Venedig und Budapest in einer speziellen Biennale ein Forum schaffen könnte. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.10.2002)