Paris - In Russland sind nach Angaben des tschetschenischen Historikers Majarbek Watschagajew noch viele Geiselnahmen zu erwarten. Eine "neue und radikalisierte Kategorie tschetschenischer Kämpfer will den Russen alles das antun, was sie den Tschetschenen angetan haben", sagte der frühere Sprecher des untergetauchten tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow am Samstag in Paris. Der getötete Anführer der Moskauer Geiselnehmer sei ein Beispiel: "Niemand kannte Mowsar Barajew. Er war keine wichtige Persönlichkeit in Tschetschenien. Es gibt dort Dutzende, die wie er das Gleiche tun würden", sagte der Historiker. Der ehemalige tschetschenische Vizepräsident von Präsident Maschadow, Said-Hassan Abumuslimow, ist nach einem Vorausbericht der "Welt am Sonntag" sicher, dass der tschetschenische Widerstand gegen die Russen durch das Geiseldrama in Russland noch gestärkt wird. Abumuslimow sagte der Zeitung: "Es bedeutet auf jeden Fall noch mehr Auftrieb für die tschetschenischen Rebellen in ihrem Kampf gegen die russischen Besatzer. Die Tschetschenen werden kämpfen, bis sie die Befreiung erreicht haben." "Die Chancen für eine politische Lösung des Problems sind jetzt gleich Null. Die Geiselnahme war ein Akt der Verzweiflung der Menschen in Tschetschenien, die mit der Aktion die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die russischen Kriegsverbrechen in ihrer Heimat lenken wollten. Das brutale Ende der Aktion zeigt aber auch, mit welch großer Dummheit es die Tschetschenen zu tun haben. Die Russen kennen seit Jahrhunderten gegenüber unserm Volk nur Gewalt, Tod und Vernichtung. Sie sind unfähig, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Am Ende wird diese Blindheit jedoch zum Zerfall des russischen Imperiums führen." "Präsident Putins Entscheidung wird verheerende Folgen haben. Er kennt keine Großzügigkeit, handelt immer nur im Interesse russischer Großmachtpolitik. Wenn er den Krieg beendet hätte, hätte er sich als großzügiger, ja großer Politiker erwiesen", so Abumuslimow. Er forderte die Hilfe der EU bei einer Verhandlungslösung. (APA/dpa)