Bonn - Die fortschreitende Erderwärmung geht nach Darstellung des Hamburger Klimaforschers Mojib Latif zu etwa 70 bis 80 Prozent auf die Freisetzung von Treibhausgasen durch den Menschen zurück. Der Einfluss der Sonne und anderer natürlicher Faktoren sei eindeutig begrenzt, sagte der Max-Planck-Wissenschafter am Freitag auf der Wissenschafts-Pressekonferenz in Bonn. Darin stimmten weltweit die führenden Klimawissenschafter überein."Für die Menschheit einmalig" Aus Klimamodellen gehe hervor, dass sich die Erde in den nächsten 100 Jahren beschleunigt um etwa drei bis vier Grad Celsius erwärme, falls der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen nicht deutlich reduziert werde, berichtete Latif. "Dies wäre für die Menschheit einmalig und ist in den vergangenen 100 Millionen Jahren nicht vorgekommen." In den vergangenen 100 Jahren sei bereits ein Temperaturanstieg von etwa 0,7 Grad Celsius zu verzeichnen gewesen. Diese bereits rapide Erwärmung sei nur durch den Anstieg der Treibhausgas-Konzentrationen in der Atmosphäre zu erklären, erläuterte Latif, der sich auf Untersuchungen des UN-Klimarats IPCC berief. Bei einem wärmeren Klima sei auch mit häufigeren extremen Wetterlagen zu rechnen, warnte Latif. "Es wird trockener, aber die Niederschläge könnten heftiger werden." Kollege Schwenn schwächt ab Es gebe zwar keine Zweifel mehr am Treibhauseffekt hauptsächlich auf Grund des Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2), das beim Verbrennen von fossilen Energieträgern wie Kohle und Öl entsteht, sagte Prof. Rainer Schwenn vom Max-Planck-Institut für Aeronomie in Katlenburg- Lindau (Niedersachsen). Es wäre jedoch vorschnell, die Erwärmung nur darauf zu schieben. Auch die Aktivität der Sonne und das von ihr beeinflusste "Weltraumwetter" könnten eine Rolle spielen, sagte Schwenn. Hier gebe es aber noch viel Forschungsbedarf. Auch wenn es einen größeren Einfluss der Sonne auf den Klimawandel gebe als bisher angenommen, dürfe dies nicht dazu führen, politisch die Hände in den Schoß zu legen und durch ungebremsten Ausstoß von Treibhausgasen "auf der Erde Experimente mit dem Klima zu machen". (APA/dpa)