Paris - Er ist nackt, voller weißer Farbe und macht kleine Schritte, denn an seinem Arm hängen Infusionsbeutel, aus denen Blut tropft. Franco B. nennt sich ein "blutender Künstler". Er ist ein lebendes Kunstwerk so wie Lee Wagstaff (siehe Foto), der seinen ganzen Körper der Kunst widmet: Er ist von Kopf bis Fuß mit Tätowierungen verziert. Beide sind Performer (beide vertreten durch Wiens Galerie Klaus Engelhorn) und zeigten auf der Pariser Messe für zeitgenössische Kunst (FIAC), die am 28.10.2002 zu Ende ging, was unter Kunst im 21. Jahrhundert zu verstehen ist - Projekte statt Kunstwerke und statt Schönheit und Ästhetik Grausamkeit und Ekel.

Foto: Galerie Klaus Engelhorn

Mit insgesamt 169 Galerien aus 19 Ländern war die FIAC zwar internationaler und zeitgenössischer denn je, aber ohne große Meister. "Jung und modern, aber ohne sichere Werte", schrieb Frankreichs Presse am Ende der fünftägigen Veranstaltung.

Bereits vor zwei Jahren wurde das Fehlen von Klassikern der modernen Kunst wie Nicolas de Stael, Auguste Herbin, Pablo Picasso, Pierre Bonnard, Alfred Sisley, Albert Gleizes, Dali oder Georges Seurat kritisiert. "Die Namen großer Meister werden immer seltener. Die Besitzer, egal ob Privatleute oder öffentliche Einrichtungen, trennen sich nicht mehr von ihren Meisterwerken, auf jeden Fall nicht mehr auf Kunstmessen", erklärte ein Kunstexperte.

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Yoshitaka Amano: Untitled, 2002

Foto: Galerie Michael Janssen

"Die Messe hat nicht das Niveau, das sie haben sollte", meinte einer der drei Leiter der renommierten Waddington Galleries aus London. Die 1966 gegründete Galerie gehört zu den "habitue", den Stammgästen, der Pariser Kunstmesse. Sie gehört noch zu den wenigen Galerien, die mit Klassikern der Moderne sehr gut bestückt sind. Neben mehreren Werken von Josef Albers hängt ein Nicolas de Stael, drei Picassos, mehrere Werke von Jean Dubuffet und ein Matisse.(APA/dpa)

Kurz-Kommentar: Es kann nicht sein, dass "Klassiker" gegen "zeitgenössische Positionen" ausgespielt werden. - Die Messe ist ein Spiegel der derzeitigen Situation am Kunstmarkt und der Interessen der Gesellschaft. - So what? (red: kafe)

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Jean Dubuffet: Il tient la flûte et le couteau, 1947

Foto: Waddington Galleries