Wien - Wahlkampf kann kränken - und schließlich krank machen. Termine, Termine Termine. Unausweichliche Erschöpfungssymptome werden medikamentös unterdrückt. Bis der Körper w.o. gibt. FPÖ-Obmann Mathias Reichhold ist das jüngste Opfer der politischen Stressmaschinerie. An Reichholds Krankenbett kann sich mittlerweile eine ganze Generation an Leidensgenossen mit Genesungswünschen anstellen. In vorderer Reihe: Bundespräsident Thomas Klestil, die SPÖ-Politiker Franz Vranitzky, Viktor Klima und auch der ehemalige Finanzminister Rudolf Edlinger. Sie wurden ebenfalls in schwierigen politischen Phasen, zum Teil in den Endphasen von Wahlkämpfen, von ihren Ärzten ins Krankenbett verbannt.Allerdings: Mit politischem Mitleid durften sie nicht rechnen, wie auch FPÖ-Obmann Matthias Reichhold nicht. Es sei unwahrscheinlich, dass die FPÖ von einem Mitleidseffekt profitieren könnte, meinen Politologen. Reichhold sei noch zu kurz im Amt, um einen Mitleidseffekt auszulösen, erklärte der Innsbrucker Politologe Peter Filzmaier Montag im ORF-"Mittagsjournal". Die Politologin Sieglinde Rosenberger wiederum glaubt, dass FPÖ-Wähler "immer starke Persönlichkeiten unterstützen und nicht schwächliche". (mue/DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2002)