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Wer, wenn nicht ... ?
Jörg Haider will wieder bundesweit antreten, sollte die FPÖ weniger als 15 Prozent erreichen

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Solange Reichhold nicht gesundet, ist FPÖ Hauptsache

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Wien/Klagenfurt - Striktes Besuchs- und Telefonverbot, absolute Bettruhe: FPÖ-Obmann Mathias Reichhold wird hermetisch abgeschirmt. Wie schwer er tatsächlich erkrankt ist, weiß selbst FP-Klubchef Karl Schweitzer nicht. "Wir werden es bald wissen, ob er weitermachen kann." Mathias Reichhold wolle zwar " unbedingt weitermachen, doch wie lange er in der Intensivphase des Wahlkampfes ausfallen wird, ist noch völlig unklar", sagt auch Reichholds Sprecher Robert Pichler. Reichholds behandelnder Arzt, Primarius Georg Lexer, sah am Mittwoch "keine Anzeichen für eine ernste Situation". Sein prominenter Patient brauche "einfach nur Ruhe". Ob Reichhold womöglich mit der Position als FPÖ-Frontmann überfordert sei? Schweitzer zum STANDARD: "Ich werde mich hüten, irgendwelche Spekulationen oder Ferndiagnosen abzugeben. Ich bin einfach betroffen, dass es dem Mathias so schlecht geht." Parteiintern hat man sich freilich längst auf ein Szenario ohne Reichhold eingestellt. Was Klubchef Schweitzer nicht bestätigt, aber dennoch heftig in der FPÖ kolportiert wird: Reichhold wird bis zum Wahltag höchstwahrscheinlich nur im Schongang als Frontmann in den Wahlkampf zurückkehren. Die TV-Duelle dürfte bis auf weiteres Sozialminister Herbert Haupt übernehmen, der bis zur eventuellen Rückkehr Reichholds den starken Mann in der FPÖ mimen wird. Unterdessen laufen in der FPÖ heftige Debatten über das künftige Verhältnis zum Noch-Regierungspartner ÖVP. Jörg Haider griff Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in der Ilustrierten News scharf an. Schüssel habe die FPÖ "gelegt", er werde seinen Parteifreunden dringend abraten, mit der ÖVP unter Schüssel noch einmal eine Koalition einzugehen. Klubchef Schweitzer unterstützt Haiders Attacke: "Haider hat mit seiner Kritik an Schüssel völlig Recht. Der Kanzler hat es nicht für notwendig erachtet, seinen Vertragspartner vom Bruch der Koalition zu informieren." Nicht ernst nehmen will Schweitzer aber den Rat Haiders, nicht mehr mit der ÖVP unter Schüssel zu koalieren. Auch Vizeparteichef Thomas Prinzhorn geht auf Distanz: "Zuerst wird gewählt und dann verhandelt. Wir grenzen niemanden aus." Einig ist sich Prinzhorn mit Haider aber ebenfalls in der Kritik an Bundeskanzler Schüssel. Prinzhorn zum STANDARD: "Der Bundeskanzler hat die Neuwahlen provoziert, weil er sich taktisch gute Chancen ausgerechnet hat." Schüssels Rolle beim Koalitionsbruch werde die FPÖ noch thematisieren. Neustart nach der Wahl Die Hoffnungen führender Funktionäre, dass der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider die Partei wieder übernimmt, haben sich mittlerweile zerstreut. Haider wurde von seinen Vertrauten aber erfolgreich bekniet, den "Scherbenhaufen" jetzt nicht mehr anzugreifen, sondern erst nach der Wahl einen Neustart einzuleiten. Haider erklärte im "Format", sollte die FPÖ am 24. November scheitern, dann werde es eine "nicht unbedeutende Gruppe innerhalb der FPÖ geben, die einen Neubeginn zu Stande bringt" - und da werde er an führender Stelle "sicher" mit dabei sein. Gescheitert sieht Haider die FPÖ bei einem Ergebnis unterhalb von 15 Prozent. Dann sollten die Freiheitlichen in Opposition gehen. "Dann würde nicht wirklich genügend Kraft dahinter stecken, um eine schwierige Regierungsarbeit zu leisten - und es kommen ja keine einfachen Jahre auf uns zu." Er halte aber immer noch ein Ergebnis von über 20 Prozent für möglich. "Schwächlinge" Heftige Kritik übt Haider an der zurückgetretenen FPÖ-Spitze. Riess-Passer, Westenthaler und Grasser hätten zu Unrecht das Handtuch geworfen. Haider: "Ich glaube, dass sich die Zurückgetreten bereits selbst genieren". Man laufe einer Partei, der manche alles verdanken, nicht einfach davon. Die drei hätten die "verdammte Verpflichtung, auch wenn es hart und schwierig ist, die politische Mission zu erfüllen". Das Ende der FPÖ bedeute das aber nicht. Haider: "Die FPÖ ist eine Idee, die lässt man sich nicht von Schwächlingen kaputt machen." "Dem Mathias helfen" Riess-Passer, Grasser und Westenthaler sollten zumindest jetzt "dem Mathias helfen, ein gutes Ergebnis zusammenzubringen. Auch die zurückgetretene Parteichefin. Man kann doch nicht wie Dirndl vom Tanz gehen." Schüssel "aus der Gruft geholt" Neuerlich übte Haider scharfe Kritik an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V). "Ich habe ihn aus der politischen Gruft herausgeholt, ihm die Chance gegeben als drittstärkster den Kanzler zu stellen. Trotzdem hat er mir gegenüber als Vertragspartner eine ganz böse Rolle gespielt. Das ist sicher eine große Enttäuschung, und daher ist das Kapitel Bundespolitik für mich erledigt." Für seine Zukunft nach dem Ende der Legislaturperiode in Kärnten habe er auch schon gesorgt. Haider: "Ich habe einen Vertrag abgeschlossen, den ich mit Ende 2004 aktivieren kann" - außerhalb der Politik. Außerdem kündigte Haider ein Buch über die Vorkommnisse an. "Ich habe genaue Notizen geführt und auch einige brisante Dokumente gesammelt - da wird dann einigen ein Licht aufgehen." (DER STANDARD, Printausgabe, 31.10./1.11.2002)