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Der Sparefroh

APA/ MARGIT SCHMID - WEIHS / BA-CA
Die Kunstfigur des Sparefroh ist der Inbegriff des Sparwillens der Österreicher. Sein Bauch ist eine große 1-Schilling-Münze, auf dem lachenden Kopf thront ein knallroter Dreiecks-Hut, aus dem eine freche Haarlocke quillt. Mittlerweile ist der biegsame Gummimann mit Drahtskelett zwar aus den heimischen Banken verschwunden, in den Köpfen vieler Sparer ist er aber lebendig wie eh und je.

"Sparen ist ja nicht immer mit großer Freunde verbunden, sondern zunächst einmal mit Entbehrungen". 'Froh sparen' aber könne der, der den künftigen Nutzen mehr im Auge habe als die gegenwärtigen Entbehrungen", analysiert Meinungsforscher Fritz Karmasin vom Gallup-Institut in Wien im APA-Gespräch.

Geboren wurde die spätere Kultfigur 1955, also in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Sein Vater ist der vormalige Werbechef der Zentralsparkasse, Karl Damisch, in Kooperation mit einem Grafiker. Seine Blütezeit erlebte die "Jugendsparfigur" in den siebziger Jahren, unterstützt durch eine gleichnamige Jugendzeitschrift, Auftritte in Kasperltheaterstücken und Hörspielen und sogar einen eigenen Sparefroh-Song. Ganzen Generationen hat der Sparefroh die Idee des Sparens schmackhaft gemacht, und noch heute werden einzelne Restexemplare in Büros von Bankmitarbeitern ebenso gesichtet wie in Kinderzimmern.

Während der Sparefroh Kinder noch bis in die neunziger Jahre zum Weltspartag in Banken und Sparkassen lockte und dort als eine Art herbstliches Christkind mit kleinen Geschenken für ihre Sparbemühungen belohnte, hat er sich in der Sprache bis heute einen bleibenden Platz gesichert. Politiker, insbesondere Finanzminister, werden gerne als Sparefrohs tituliert.

Heute ist er fast verschwunden. Die Banken haben ihre eigenen Maskottchen. Zudem verlor im zunehmenden Wohlstand das Sparen an Wichtigkeit, jedenfalls an Attraktivität. (APA/red)