Die "besseren Leut'"

... in Österreich haben auch heute noch vor allem Titel und weniger Namen: Das letzte Opfer des Krawattenmörders in Wolfgang Murnbergers boshafter Komödie Taxi für eine Leiche (30. 10.), die den modrigen Charme eines Nachtspaziergangs auf dem Wiener Zentralfriedhof versprühte, hieß einfach nur "Herr Ingenieur".

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Er wurde auch im Kino

... am Balkon entdeckt (nach einem Horrorfilm) und nicht, wie das erste Opfer, nur in der Straßenbahn.

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Auch in der TV-Konfrontation

... zwischen SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer und Sozialminister Herbert Haupt (FPÖ) am Tag darauf schmiss man mit Titeln nur so um sich: "Herr Dr. Gusenbauer!" hieß es da dauernd.

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Oder: "Herr Magister Haupt!"

Der solcherart angesprochene Politiker stellte übrigens recht viel "mit aller Deutlichkeit" fest, obwohl man ihn lange Zeit nur schlecht verstehen konnte.

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Und nannte auch Elmar Oberhauser,

... den Moderator, "Herr Doktor". Der hätte vielleicht ein "Herr Bär Oberhauser" akzeptiert, aber so warf er sofort ein: "Ohne Doktor!" Muss ja nicht jeder hierzulande einen Titel haben wollen, auch wenn er ihn nachgeworfen bekommt.

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Österreichischer hätten die beiden Fernsehabende

... am 30. 10. und am 31. 10. also gar nicht sein können. Im Fußballspiel Austria gegen FC Porto (0 : 1) ging es aber nicht um Titel, sondern angesichts der vernebelten Chance, heuer international etwas zu reißen, eher um eine gewisse, hierzulande doch sehr verbreitete Allerheiligenstimmung, die auch Murnbergers Film vermittelt hat. Passend zum Kalender. (pi/DER STANDARD; Printausgabe, 2./3.11.2002)

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