Wien - Der Rückzug der staatlichen Privatisierungsagentur ÖIAG aus der Telekom Austria ist bis auf weiteres gestoppt. Wegen "unpassender Rahmenbedingungen", etwa des derzeit schlechten Börsenklimas, sei die weitere Privatisierung definitiv auf die kommende Legislaturperiode verschoben, heißt es in der ÖIAG.Auf der Privatisierungsliste der schwarz-blauen Regierung ist nur mehr die Telekom Austria unerledigt. Der ÖIAG-Anteil von 47,8 Prozent sollte laut Auftrag des Finanzministers und der Regierung ursprünglich noch heuer abgetreten werden. Aus ÖIAG-Aufsichtsratskreisen ist zu hören, dass der Verkauf der Anteile der Telecom Italia ebenfalls "nicht funktioniert". Die mit knapp 30 Prozent beteiligten Italiener wollten ihre Aktien bei dem schlechten Börsekurs nicht verkaufen. Dass es noch kurzfristig zu Privatisierungen kommt, scheint ausgeschlossen. Eine Expertise, die der ÖIAG-Vorstand in Auftrag gegeben hat, sollte ausloten, wieweit Privatisierungsaufträge, die noch in dieser Legislaturperiode erteilt werden, nach der Nationalratswahl bindend wären. Das Ergebnis lautet nein, es könne kein Privatisierungs-auftrag über den Regierungswechsel hinaus mitgegeben werden. Gemäß ÖIAG-Gesetz ist als Ende der Legislaturperiode der Tag der Nationalratswahl (24. November) anzusehen. Österreich-Fonds Zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts Österreich hat der ÖIAG-Vorstand dem Aufsichtsrat ein Strategiepapier zur Etablierung eines "Österreich-Fonds" unterbreitet. Dieser könnte bisher vom Staat gehaltene Aktien übernehmen. So wäre es auch möglich, die AUA (ÖIAG-Anteil: 39,7 Prozent) weiter zu privatisieren, ohne dass diese die betriebsnotwendigen Landerechte verliert, die an nationale Mehrheiten geknüpft sind. Ziel des Österreich-Fonds wäre, eine breite Eigentümerstruktur für die Unternehmen zu gewährleisten und gleichzeitig den inländischen Kapitalmarkt zu beleben. Für eine 100-prozentige ÖIAG-Beteiligung, die Österreichische Post AG, wird "mittelfristig" über die Hereinnahme eines strategischen Partners nachgedacht. Dieser soll die Post nach der Teilliberalisierung des Briefdienstes ab 1. Jänner 2003 unterstützen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 2.11.2002)