Washington - Am Tag nach den Wahlen, also am 6. November, tritt ein bereits im März verabschiedetes Gesetz über das Verbot von so genanntem "soft money" in Kraft: Danach werden nicht an Kandidaten gebundene Wahlspenden von Firmen, Gewerkschaften und Privatpersonen stark beschränkt. Bisher konnten unbegrenzte Spenden an politische Parteien oder Organisationen ergehen, die sodann in Umgehung der strengeren Begrenzungen für so genanntes "hartes Geld" (an Personen gebundene Zuwendungen) in die Kassen einzelner Kandidaten geleitet wurden.Aber bis dahin dürfen beide Parteien noch aus dem Vollen schöpfen - was sie auch tun: Bis Mitte Oktober hatten Demokraten und Republikaner mehr als 420 Millionen Dollar an "soft money" einkassiert, die Republikaner etwas mehr als die Demokraten. Und beim so genannten "hard money" sind die Republikaner den Demokraten mit 289 Millionen Dollar voraus: Die Demokraten konnten nur 127 Millionen Dollar einsammeln. Die Tüchtigsten Bei den Republikanern haben sich George Bush und sein Vizepräsident Dick Cheney als erstklassige Fundraiser erwiesen: Den beiden gelang es, insgesamt 163 Millionen Dollar aufzutreiben, wobei Cheney mit bisher 74 Auftritten bei Wahlveranstaltungen in 38 Staaten vermutlich einen Rekord aufgestellt hat. Die Demokraten können zwar mit keinem amtierenden Präsidenten, aber mit einem überaus beliebten Ex aufwarten: Bill Clinton kann nicht nur Geld auftreiben, sondern steht Kandidaten auch mit Rat und Tat zur Seite. Bis zum Wahltag wird er an etwa 100 Wahlveranstaltungen teilgenommen haben, unzählige Telefonbotschaften aufgenommen haben und in zahllosen Werbespots aufgetreten sein - wohlweislich immer an jenen Orten, wo seine Beliebtheit groß genug ist. In einigen Staaten, etwa in seinem Heimatstaat Arkansas, könnte sein Auftritt zusätzliche hasserfüllte Republikaner zu den Wahlurnen führen, um gegen den Demokraten zu stimmen. Und dann gibt es noch die Kandidaten, die selbst Millionen in ihre Wahlkämpfe stecken: In Texas hat der demokratische Kandidat für den Gouverneurssitz, der Bankier Tony Sanchez, bereits 60 Millionen seines eigenen Geldes investiert, um den Republikaner Rick Perry aus dem Amt zu heben. Und in New York hat der als Unabhängiger kandidierende Gouverneurskandidat Thomas Golisano mehr als 50 Millionen in seinem ziemlich aussichtslosen Kampf gegen den republikanischen Gouverneur George Pataki ausgegeben. Bis jetzt hat allerdings noch keiner den Rekord von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg gebrochen, der 2001 73 Millionen Dollar seines Kapitals erfolgreich einsetzte.(DER STANDARD, Printausgabe, 2./3.11.2002)