Wien - Das Ziel der Wahlwerbung im Ausland ist klar: Möglichst viele im Ausland lebende Österreicherinnen und Österreicher sollen bei der Nationalratswahl am 24. November mitstimmen. Angesichts des von den Meinungsforschern vorausgesagten Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen einer schwarz-blauen oder rot-grünen Regierungsmehrheit könnten diese Stimmen entscheidend sein.

Dementsprechend gründlich versucht man im Außenministerium, die Wähler vorzubereiten: "Wir wollen Fehler beim Ausfüllen der Wahlkarten vermeiden", erklärt Thomas Buchsbaum, der im Außenministerium das eigens eingerichtete Wahlbüro und die Kampagne zur Wahlinformation leitet. Zwölf Prozent der bei der letzten Nationalratswahl eingelangten rund 65.000 Wahlkarten seien so fehlerhaft ausgefüllt gewesen, dass sie für ungültig erklärt werden mussten. Zwei Drittel der Karten stammten von Touristen, die per Walkarte am Urlaubsort gestimmt haben. Ein weiteres Drittel der Karten kam von tatsächlich in aller Welt lebenden Österreichern.

Um jene 300.000 Auslandsösterreicher, die im Außenministerium namentlich und mit Adresse bekannt sind, zu erreichen, geht Buchsbaum mehrere Wege: Es wurden einige ausländische Medien ausgewählt und Inserate zur Wahl geschaltet. Der Großteil der Information wird aber über die Internetzeitung der Auslandsösterreicher und über weltweit rund 200 deutschsprachige Lokalradios transportiert. "Das sind nicht kommerzielle Radios, bei denen die Einschaltung nichts kostet", betont Buchsbaum geringe Kosten.

300.000 Briefe verschickt

Darüber hinaus wurden 300.000 persönliche Briefe verschickt. Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (ÖVP) hat in dem Brief kundgetan, "wofür gerade ich mich besonders eingesetzt habe" und was der schwarz-blauen Bundesregierung besonders gelungen sei: die EU-Sanktionen beim Regierungsantritt zu überwinden und "Österreichs Position international weiter zu stärken". Eine Form der Parteiwerbung, die unter den Adressaten nicht immer goutiert wird, wie Protestschreiben zeigen (DER STANDARD hat berichtet). Eine zweite Wahlinformation ist in Vorbereitung.

Insgesamt bemerkt man im Wahlbüro ein hohes Interesse an den Wahlen. Vier Mitarbeiter nehmen täglich zwischen 200 und 300 Anrufe aus dem In- und Ausland entgegen.

Formal ist die Eintragung in der Wählerevidenz einer österreichischen Gemeinde Voraussetzung zur Ausübung des Wahlrechts. Dazu benötigt man eine Wahlkarte, um seine Stimme im Ausland abgeben zu können. Auch Urlauber können eine Wahlkarte, die in der Heimatgemeinde ausgestellt wird, an ihr Ferienziel mitnehmen und im Beisein eines österreichischen Staatsbürgers als Wahlzeuge die Partei seiner Wahl ankreuzen. Alle Wahlkarten müssen bis 2. Dezember, 12 Uhr bei den Landeswahlbehörden eingelangt sein.(Andrea Waldbrunner/DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2002)