Washington - Bei den Mid-Term-Wahlen zur Halbzeit der Amtsperiode eines US-Präsidenten gewinnt üblicherweise jene Partei im Kongress, die nicht die Macht im Weißen Haus hat. Doch US-Präsident George W. Bush möchte eine Ausnahme dieser Regel erreichen und auf den Spuren von Bill Clinton (1998) und Franklin Roosevelt (1934) wandeln: Nur diesen beiden Präsidenten war es im vergangenen Jahrhundert gelungen, bei den Zwischenwahlen im Kongress für ihre Partei Sitze dazu zu gewinnen. Bei den Kongresswahlen am Dienstag wird sich entscheiden, ob Bush der Dritte im Bunde werden kann. Bush hat mit einem Marathon-Einsatz in den vergangenen Wochen sein Möglichstes dazu getan, um künftig mit und nicht gegen den Kongress regieren zu können. Im Endspurt besuchte Bush in fünf Tagen 15 Bundesstaaten und Wahlveranstaltungen die "schwächeren" Kandidaten gezielt unterstützt. Bei 65 Fund-Raising-Veranstaltungen hat er heuer 140 Millionen Dollar an Wahlspenden aufgetrieben. Rekordsummen für den Wahlkampf Bei den Ausgaben wurden neue Rekordsummen erreicht. Mehr als 900 Millionen Dollar wurden landesweit alleine für TV-Spots ausgegeben, weit mehr als die 771 Millionen Dollar im Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2000, ermittelte die Campaign Media Analysis Group. Der Wahlkampf wurde von beiden Parteien erbittert geführt, Hunderte Millionen Dollar flossen in "negative ads" zur Diskreditierung des jeweiligen Gegenkandidaten. Bei den Wahlkampfthemen stand die lahmende Konjunktur an erster Stelle. Zwei Millionen Jobs gingen seit Bushs Amtsantritt verloren, die Armut sei gestiegen, verkündete ein pro-demokratischer TV-Spot. "Können wir uns das weiterhin leisten?" Die Demokraten versprachen eine Anhebung des Mindestlohns, Verbesserungen im Gesundheitswesen und Steuererleichterungen für Familien. "Sicherheit und Patriotismus" Die Republikaner versuchten hingegen eher mit Themen wie Sicherheit und Patriotismus zu punkten. Die Konjunktur wollen sie durch Steuersenkungen ankurbeln. Auch das Recht auf Abtreibung wurde von den Republikanern in Frage gestellt. Der außenpolitische Wahlkampf schien sich bei vielen Wählern und Kandidaten auf die Fragestellung zu reduzieren, ob die USA alleine oder mit einer UNO-gestützten Koalition Saddam Hussein angreifen sollten. Der Ausgang der Wahlen bestimmt nicht nur die Legislative, sondern auch die Judikative und die künftige Exekutive entscheidend mit. Bush könnte mit einem konformen Kongress endlich seine konservativen Kandidaten fürs Höchstgericht durchsetzen - und sich damit für die Präsidentschaftswahlen 2004 günstige Rahmenbedingungen schaffen. Bei den Demokraten wird erwartet, dass das Wahlergebnis eine Vorentscheidung über den nächsten Präsidentschaftskandidaten bringt - der bisherige Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle, und der Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Dick Gephardt, zeigen schon Ambitionen.(APA)