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Filmisches Vorbild T-1000 besteht aus flüssigem Metall und kann jede beliebige Form annehmen

Foto: Archiv
New York - Arnold Schwarzeneggers Gegner in "Terminator 2" ist ein zäher Brocken. Der T-1000 besteht aus flüssigem Metall, kann jede beliebige Form annehmen. Und steht sogar wieder auf, nachdem er in zahllose Splitter zersprungen ist. Richtig sympathisch ist der Bösewicht aber wohl nur Robotikern - und die wollen es nun wissen. Unzufrieden mit der traditionellen Architektur ihrer Maschinen - steifes Metallgerüst mit Chips, Motoren und Sensoren -, sehen sie in der formbaren Chromgestalt ein Vorbild: den modularen Roboter aus vielen kleinen Elementen. Diese sind so flexibel, dass die Maschine als Ganzes ihre Gestalt ändern, sich auf vielerlei Art fortbewegen, aufspalten oder vergrößern und beschädigte Teile austauschen kann. "Das Ziel ist, Apparate zu bauen, die weit flexibler sind als herkömmliche Roboter. Am besten wie Lebewesen aus Zellen", sagt Rolf Pfeifer, Direktor des Labors für Künstliche Intelligenz (KI) an der Universität Zürich. Weltweit basteln Ingenieure an einer neuen Generation von Robotern, zusammengesetzt aus kleinen beweglichen Gliedern. In Tokio etwa, am Institut für Technology, lässt Satoshi Murata den M-Tran über einen Arbeitstisch erst kriechen, dann auf vier Beinen weiterlaufen. Und Rolf Pfeifer baut in Zürich ein Wassergefährt namens Hydron. Seine bis zu hundert Module verfügen über Düsen, um die Segmente anzutreiben, wenn sie sich eigenständig etwa zur Gestalt einer Seeschlange zusammenfügen. Noch wirken all diese Module wie aus dem Modellbaukasten zusammengeschraubt: ein paar Motoren, ein Mikroprozessor für die Steuerung, Taschenlampenbatterien, Mechanik. Eines Tages sollen die Einheiten mikroskopisch verkleinert werden und dann zu Tausenden Maschinen erzeugen, die jeder Aufgabe gewachsen sind: Roboter aus Robotern. Ehe es so weit ist, hoffen die KI-Forscher, klettern ihre rekonfigurierbaren Apparate aber nicht nur über Stock und Stein, sondern hinterlassen alsbald ihre Spuren auch im Marssand und am Meeresgrund. Ihre Flexibilität soll es ihnen erlauben, auch in unwegsamem Gelände vorwärtszukommen und unter Bedingungen zu funktionieren, die kein Projektplaner vorhersehen kann. Deshalb haben die Nasa und Rüstungsindustrie die Forschung finanziert. Eine Blechschlange Die Raumfahrtbehörde tüftelt am Ames Research Center in Kalifornien an einer Roboschlange für felsiges Gelände und steile Abhänge. Selbst bei einer Bruchlandung könnte die Schlange mit etwas Glück noch heil ins Freie schlittern. Doch noch trennt die sich selbst anordnenden Maschinen mehr als nur die Größe von ihren biologischen Vorbildern. Vor allem die Steuerung bereitet den Ingenieuren Kopfzerbrechen. Bisher wertet ein zentraler Rechner die Sensordaten aus. Solange das System nur aus wenigen Elemente besteht, geht das gut. Steigt aber die Zahl auf mehrere Hundert oder Tausend Glieder an, sprengt das die Rechenkapazität des Computers. Statt der Kommandozentrale wollen die Forscher ihre blechernen Schoßtiere deshalb mit einer dezentralen, über die Glieder verteilten Intelligenz ausstatten. Kein einfaches Unterfangen: Um alle Zellaktionen abzustimmen, braucht es perfekt programmierte Prozessoren, oder den Dinger steht ein langer Lernprozess bevor. (Hubertus Breuer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 11. 2002)