Bild nicht mehr verfügbar.

Hashem Aghajari

Foto: APA/EPA/Behrouz Mehri
Teheran - Der iranische Schriftsteller und Universitätsprofessor Hashem Aghajari ist nach Angaben seines Verteidigers wegen "Beleidigung des Propheten" Mohammed von einem Gericht in Hamedan im Westen des Landes zum Tod verurteilt worden. Der reformorientierte Autor war im vergangenen August inhaftiert worden. Er hatte sich in einer Rede in Hamedan am 19. Juni für eine "Erneuerung" des Islam ausgesprochen und zugleich die Meinung ausgedrückt, dass die Moslems "nicht blind" einem religiösen Führer Gefolgschaft leisten müssten. Damit hatte er sich gegen die etablierte schiitische Geistlichkeit und deren Koran-Auslegung aufgelehnt. In reformorientierter Organisation engagiert Aghajari, der gegen das Todesurteil Berufung einlegen kann, wurde zudem zu 74 Peitschenhieben verurteilt, wie sein Anwalt Saleh Nikbakh in Teheran mitteilte. Der 45 Jahre alte Aghajari ist ein ehemaliger Teilnehmer des iranisch-irakischen Krieges 1980-88. Wegen einer Kriegsverletzung musste ihm ein Bein amputiert werden. Erst vor zwei Wochen musste er sich im Gefängniskrankenhaus einer Operation unterziehen. Der Schriftsteller betätigte sich politisch in der reformorientierten Organisation der "Mujaheddin der Islamischen Revolution" und unterrichtete an der Teheraner Lehrerbildungsanstalt. Vor wenigen Tagen hatte der oberste geistliche Führer Ayatollah Ali Khamenei den früheren Innenminister Abdollah Nouri begnadigt. Nouri, der als Vertrauter des iranischen Präsidenten Mohammad Khatami gilt, war Ende 1999 wegen "Beleidigung des Islam" zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Am Montag war Abas Abdi, Leiter eines Teheraner Meinungsforschungsinstituts, verhaftet worden. Khamenei hatte in seiner Ansprache zum 23. Jahrestag der Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran Ergebnisse von Meinungsumfragen in Zweifel gezogen, nach denen 74 Prozent der Iraner für einen Dialog mit den USA eintreten würden. Derartige irreführende Umfragen seien das Werk von Elementen, die im Dienst der Amerikaner stünden, sagte der oberste geistliche Führer.(APA/AP)