Klagenfurt - Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider sieht keinen Grund, sich bei Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Ex-Klubchef Peter Westenthaler zu entschuldigen. Er habe im Zusammenhang mit der Abfangjäger-Entscheidung seinen Parteifreunden keine Korruptionsvorwürfe gemacht und werde dies auch in Zukunft nicht tun. Allerdings bleibe er dabei, dass es "um die Abfangjäger aufklärungswürdige Vorgänge gibt", sagte Haider und auch FP-Spitzenkandidat Herbert Haupt am Donnerstag vor Journalisten in Klagenfurt. Die Klagsdrohungen gegen ihn seien "absolut nicht notwendig" gewesen, stellte Haider fest. Seine Kritik hätte sich nämlich nicht gegen die persönliche Integrität der Betroffenen gerichtet. Es gehe vielmehr um die Frage: "Wie steht ihr zu eurer Partei?" Es sei nämlich nicht verständlich, dass Personen noch Monate nach ihrem Rücktritt auf gut bezahlten Ministerposten der FPÖ sitzen und sich nicht in den Wahlkampf einbringen würden. Auch der ehemalige Klubobmann Westenthaler würde ungeachtet des Wahlkampfes "bei vollen Bezügen zu Hause sitzen", kritisierte Haider. Nicht der Korruption bezichtigt, aber ... Jedenfalls habe er im Zusammenhang mit den Abfangjägern niemanden der Korruption bezichtigt, unterstrich der Altparteiobmann. Tatsache sei jedoch, dass Grasser eine "Rückkehrgarantie" zu Frank Stronach habe ("Das hat mir Stronach selbst erzählt") und Stronach für Westenthaler "sein Herz als Geschäftsführer" der Fußball-Bundesliga entdeckt habe. Aufklärungswürdig in Bezug auf die Abfangjäger ist für Haider der Entscheidungsprozess zu Gunsten des Eurofighters, und dabei vor allem die Geschwindigkeit, mit der man sich gegen den zuvor favorisierten schwedischen Typ entschieden habe. Auffallend sei auch, dass urplötzlich in den Zeitungen überhaupt keine kritischen Artikel und Leserbriefe gegen den Eurofighter mehr erschienen seien, sagte Haider. Haupt: Staatsanwaltschaft überprüft Abfangjäger-Angelegenheiten Haupt teilte in der Pressekonferenz mit, dass die Staatsanwaltschaft ein Reihe von Sachverhaltsdarstellungen im Zusammenhang mit den Abfangjägern prüfen würde. Dies habe ihm Justizminister Dieter Böhmdorfer mitgeteilt. Auch er selbst habe alles, was er in Bezug auf die Abfangjäger an Unterlagen zugestellt bekommen habe, der Staatsanwaltschaft übergeben. Auf jeden Fall gelte für alle, ob Riess-Passer, Grasser oder Haider, die Unschuldsvermutung, wie für andere auch, meinte Haupt weiter. Er sei jedenfalls "dem Rechtsstaat verpflichtet" und alles, was in Sachen Abfangjäger an ihn heran getragen wird, werde auch der Staatsanwaltschaft übergeben. Entscheidender Frühschoppen in Linz? "Durchstarten mit Herbert Haupt" - unter diesem Motto steht ein Blauer Frühschoppen, der am Samstag (9. November) um 10.00 Uhr im Linzer Design-Center stattfindet. Der geschäftsführende FPÖ-Bundesparteiobmann und Spitzenkandidat für die Nationalratswahl, Herbert Haupt, wird ein Referat halten. In Linz nicht anwesend sein wird Landeshauptmann Jörg Haider. Haider erklärte am Donnerstag, er werde zum selben Zeitpunkt eine Veranstaltung in Kärnten wahrnehmen. "Ich will hier Herbert Haupt den Rücken frei halten, damit sich dieser umso mehr in den anderen Bundesländern engagieren kann", fügte Haider hinzu. Dass in Linz ein zweiter Wahlkampfstart mit dem neuen Spitzenkandidaten erfolgen werde, will der Landeshauptmann nicht so sehen. Zu Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Ex-Klubobmann Peter Westenthaler stellte er fest: "Wenn sie Herbert Haupt unterstützen wollen, erwarte ich, dass sie am Samstag in Linz sind." Haupt kündigte im übrigen heute bei einem Pressegespräch in Klagenfurt für Linz eine "größere Überraschung" an. Riess-Passer kommt am Samstag nicht nach Linz Susanne Riess-Passer gab unterdessen bekannt, sie werde am kommenden Samstag am Blauen Frühschoppen in Linz nicht teilnehmen,sondern an diesem Tag zur Unterstützung von FPÖ-Ortsgruppen in Niederösterreich unterwegs sein. Sie wird am Samstag im Kamptal unterwegs sein, das im vergangenen Sommer vom Hochwasser schwer betroffen war. (APA/red)