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Wegen Ladendiebstahls schuldig gesprochen: US-Schauspielerin Winona Ryder. JustizexpertInnen meinten, dass die Staatsanwaltschaft mit der Prominenten viel härter umgegangen sei als mit anderen Ladendieben in Los Angeles. Die Fernsehshow "Celebrity Justice" ging Hunderten von ähnlichen Fällen nach und fand keinEn EinzigEn, in dem die/der Betroffene so rigoros verfolgt wurde.
Foto: APA/AFP/epa/Celano
Wer zuletzt in der "Larry King Show" auf CNN die Videoclips zum "Fall" Winona Ryder sah, der konnte sich ein Bild davon machen, was das heißt: das Interesse der Öffentlichkeit zu bedienen und es andererseits zu erregen. Hier Aufnahmen aus der Karriere des heute 31-jährigen Hollywoodstars: im Blitzlichtgewitter vor Premieren, bei Preisverleihungen und Festivals. Dort: Schnappschüsse einer Überwachungskamera in einer Boutique in Los Angeles, auf denen Ryder beim Diebstahl von Kleidung im Wert von rund 4800 Dollar zu sehen ist. Immer wieder: Ryder auf dem Weg zum Gericht, im Gerichtssaal. Gut sechs Monate erregte die Frage, ob sie tatsächlich schuldig ist, auch seriöse Medien. Immerhin galt und gilt Ryder als eine der großen, wenn auch vielleicht nie ganz eingelösten Versprechungen der Traumfabrik. Spätestens seit ihrer Performance in Tim Burtons Edward mit den Scherenhänden (1990) positionierte sie sich, ähnlich wie ihr damaliger Partner und Freund Johnny Depp, irgendwo zwischen rebellischem Teenagerstar und seriöser Anwärterin auf frühe Oscars. Aufgewachsen unter Hippies und Beatniks (ihr Taufpate war LSD-Papst Timothy Leary), schien sie für Anpassung nicht geeignet. Und niemals war ganz klar, ob sie der Hollywoodrummel nicht überforderte. Demonstrativ schlug sie sich nach Hits wie Mermaids (1990, an der Seite von Cher) auf die Seite des Independent-Kinos und beschenkte Jim Jarmusch im Taxi-Episodenfilm Night on Earth (1991) mit einem Auftritt. Ein Zusammenbruch verhinderte, dass sie die Tochter des Paten in Francis Ford Coppolas Godfather III spielen konnte. Dafür trat sie 1992 für den Regisseur als Geliebte von Dracula vor die Kamera bzw. war in Martin Scorseses The Age of Innocence (1993) zu sehen. Die "Zeit der Unschuld", so unken jetzt einige Society-Reporter, sei für Winona Ryder, die zuletzt in der Komödie Mr. Deeds an der Seite von Adam Sandler auftrat, vorbei. Manche meinen, sie habe mit ihren etwas exzentrischen Versuchen in Selbstverteidigung selbst dazu beigetragen, dass ihr vergleichsweise kleines Vergehen so aufgebauscht worden sei: So behauptete Ryder zuerst, in der Boutique für eine Filmrolle als Diebin "trainiert" zu haben. Nachher trat sie etwa in der Saturday Night Show auf, "bestahl" die KomikerkollegInnen und trug T-Shirts mit Aufschriften wie "Free Winona!" ExpertInnen denken aber, dass der Trubel der letzten Monate Ryders Karriere nicht wesentlich beschädigen sollte (sofern sie, wie man annehmen könnte, nicht ohnehin größere Probleme hat.) Man denke nur an Robert Mitchum: Der wanderte einst wegen Marihuana-Besitz hinter Gitter, und, so ein Insider, "er tanzte förmlich aus dem Gefängnis zurück in die großen Rollen". (Claus Philipp, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 8.11. 2002)