Rio de Janeiro - Ein neues Massensterben von Pinguinen hat den Süden Brasiliens heimgesucht. Wie Medien am Donnerstag berichteten, wurden in den vergangenen Tagen am Strand der Gemeinde Praia do Cassino im Bundesland Rio Grande do Sul mehr als 100 Pinguine tot aufgefunden. In den beiden Jahren zuvor waren jeweils in der zweiten Jahreshälfte in Rio Grande do Sul und dem nördlicher gelegenen Staat Rio de Janeiro mehrere hundert Pinguin-Kadaver geborgen worden. Die genauen Ursachen des Pinguin-Sterbens sind nicht geklärt. Eine erste Untersuchung von 30 Kadavern durch Wissenschafter der Bundesuniversität Rio Grande do Sul ergab den Berichten zufolge, dass die Pinguine nicht an einer Vergiftung oder durch Wasserverschmutzung gestorben sind. Bei den normalerweise zwischen vier und fünf Kilogramm schweren Tieren sei allerdings ein Gewichtsverlust von bis zu 50 Prozent registriert worden, hieß es. Zug nach Norden Die Wissenschafter rätseln, weshalb sich so viele Pinguine und andere "Kaltwetter-Tiere" im Frühling der Südhalbkugel in die für sie eigentlich zu warmen Gefilde der südbrasilianischen Küste verirren. Im gesamten Jahr 1999 waren in ganz Südbrasilien nur 53 tote Pinguine gefunden worden. In den vergangenen Jahren erreichten aber immer mehr tote und lebende Pinguine Brasilien. Die Tiere werden auch auf die Strände von Copacabana und Ipanema in Rio gespült. Biologen des Zoos von Rio glauben, dass dieser Trend unter anderem auf ungewöhnliche Kaltfronten zurückzuführen ist, die kältere und stärkere Meeresströmungen erzeugen. Entlang dieser Strömungen verirren sich viele Pinguine auf der Nahrungssuche gen Norden. Die Tiere, die erschöpft und halb verhungert überleben, werden in Rio de Janeiro in einem klimatisierten Gehege des Zoos aufgepäppelt. "Wir haben inzwischen aber so viele Tiere, dass bald kein Platz für Neuankömmlinge sein wird", sagte ein Zoo-Sprecher.(APA/dpa)