Graz - "Wenn Karl-Heinz Grasser Charakter hat, dann tut er es nicht", kommentierte Sozialminister und FPÖ-Chef Herbert Haupt die Ankündigung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), dass Grasser als Finanzminister bei der ÖVP dienen könnte. Ihm, Haupt, habe Grasser zugesagt, sich in die Privatwirtschaft zu begeben, "daran habe ich derzeit Null Zweifel", so Haupt in Graz am Rande der Seniorenmesse. Seine Meinung sei es, meinte Haupt, dass Grasser gar keine Bedenkzeit brauche. Grasser sei Mitglied der FPÖ, also sei eine Tätigkeit als ÖVP-Finanzminister gar nicht möglich, erklärte der Sozialminister. Die Frage nach einem eventuellem Parteiausschluss wollte Haupt nicht beantworten. Wenn Grasser sich der ÖVP annähere, dann seien die "Vorhänge offen für alle Beobachter, denen der Konflikt in der FPÖ in der vergangenen Zeit nicht klar war". Grasser könne sich eigentlich keiner anderen Partei verpflichtet fühlen, als seiner eigenen, sagte Haupt. Wenn dem Finanzminister an seinem Ruf liege, dann werde er wohl nicht ein ganzes Wochenende überlegen, spielte Haupt auf die von Schüssel genannte Bedenkzeit Grassers an. Komme die FPÖ wieder in eine Regierung, so strebe er das Sozialministerium wieder an, und Grasser sei ebenfalls willkommen, sagte Haupt. Auf die Frage, ob ein Abgang Grassers eine Schwächung der FPÖ bedeute, erklärte der Minister: "Es ist eher eine Klarstellung. Die Nebel lichten sich, dann gibt es wenigstens klare Fronten." Er gehe aber davon aus, dass gelte, was Grasser ihm gegenüber gesagt habe. Bezüglich Grassers Vorhaben zum Wechsel in die Wirtschaft und seinem damaligen Abgang aus der Kärntner Landesregierung zu Frank Stronachs Magna-Konzern, erklärte Minister Haupt, dass Landeshauptmann Jörg Haider immer klar gesagt habe, er wolle in Kärnten bleiben. Die Sprunghaftigkeit liege also nicht allein bei Haider, wie oft vermutet werde, meinte Haupt, sondern auch woanders. Schweitzer: "Höhepunkt eines Spaltungsversuchs" Dies sei der "Höhepunkt eines Spaltungsversuchs", hat FPÖ-Klubobmann Karl Schweitzer am Freitag auf das Angebot von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an Karl-Heinz Grasser, als parteiunabhängiger Finanzminister in seinem Team zu arbeiten, reagiert. Die ÖVP wolle die FPÖ "mit aller Gewalt auseinander dividieren", sagte Schweitzer am Rande einer Pressekonferenz in Innsbruck gegenüber der APA. Offensichtlich versuche die ÖVP, sich die "besseren Leute von der FPÖ zu holen". Allerdings werde dies ein "erfolgloser Versuch sein, einen erfolgreichen Finanzminister abzuwerben", erklärte der Klubchef. Die ÖVP hänge sich immer "einen seriösen Mantel um" und probiere nun den Freiheitlichen "mit einer unseriösen Methode" zu schaden. "Wir werden es aber nicht zulassen, dass uns die ÖVP in Gute und Schlechte einteilt", betonte Schweitzer. Schweitzer erwarte sich nun eine Klarstellung von Grasser. Dabei könne es sich nur um einen "Schüssel-Gag" gehandelt haben. Auf die Frage, ob er auch weiterhin mit dem Finanzminister zusammenarbeiten wolle, meinte der Klubobmann: "Wenn sich Grasser in den Wahlkampf eingliedert, würde ich es begrüßen". Strutz: VP will FPÖ spalten Als einen Versuch, die FPÖ zu spalten, wertete der Kärntner FP-Landesobmann Martin Strutz das Angebot von VP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel an Karl-Heinz Grasser, in einer künftigen Regierung wieder Finanzminister zu werden. "Jetzt weiß jeder, was gespielt wird", sagte Strutz. Jetzt hätte Landeshauptmann Jörg Haider, der vor dieser Entwicklung auch parteiintern mehrmals gewarnt habe, schneller als erwartet Recht bekommen. Haider sei nach den Worten von Strutz damit öffentlich und parteiintern voll rehabilitiert. Er hoffe, dass durch die Vorgangsweise Schüssels den freiheitlichen Funktionären und Wählern nun endgültig klar werde, "welches üble Spiel her getrieben wurde und wird". Die ÖVP und insbesondere Schüssel hätten nämlich nur das Ziel, "eine in ihren Grundsätzen gefestigte, EU-kritische und zu ihrem erfolgreichsten Parteimitglied loyale FPÖ zu zerstören und Teile herauszuspalten, die als willfährige Mehrheitsbeschaffer dienen sollen". Der Kärntner FP-Obmann meinte weiters, vor dem Hintergrund der jetzt anstehenden EU-Entscheidungen sei das Angebot Schüssels an Grasser mehr als verständlich. Strutz appellierte an die Geschlossenheit der FPÖ und hofft nach eigenen Worten, "dass sich alle Freiheitlichen ihrer Kernthemen, ihrer Sachinhalte und ihrer Personen, die in der Vergangenheit große Wahlerfolge garantierten, bewusst sind und nicht der ÖVP auf den Leim gehen". Kabas: "Labil" Der Wiener FPÖ-Chef Hilmar Kabas rechnet laut eigenen Angaben fix damit, dass Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) das Angebot der ÖVP nicht annimmt. "So labil kann er nicht sein", meinte Kabas im APA-Gespräch. Falls er es doch tue, würde das den Österreichern "endgültig die Augen öffnen, welches Spiel hier gespielt wird". SPÖ glaubt nicht an "Verrat" Die SPÖ glaubt nicht daran, dass Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) einem nächsten ÖVP-Kabinett angehören wird. "Grasser eignet sich nicht als Verräter", sagte Bundesgeschäftsführerin Doris Bures am Freitag in einer Aussendung. Bezeichnend sei aber, dass Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) Grasser dieses "unmoralische Angebot" gemacht habe. Für die SPÖ gelte, dass man Grasser "bei allen politischen Differenzen - bislang Respekt gezollt" habe. "Aus Kenntnis der Persönlichkeit des Finanzministers gehe ich nicht davon aus, dass Grasser dem zweifelhaften Lockangebot Schüssels nachgibt", meinte Bures. Das Angebot Schüssels sage aber "sehr viel über den ÖVP-Obmann" aus, so Bures. Scheinbar habe der Kanzler "keinerlei Vertrauen in die Wirtschaftskompetenz der eigenen Partei". "Was müssen sich so kompetente Persönlichkeiten wie Andreas Treichl, Claus Raidl, Stefan Koren oder Christoph Leitl dazu wohl denken?" Schüssel Angebot an Grasser bezeichnete Bures als "charakterlose Vorgangsweise". Einmal mehr werde klar, dass der VP-Obmann alles tun werde, um an der Macht zu bleiben. Selbst vor der "Anstiftung zu würdelosem Verrat" schrecke dieser nicht zurück. (APA)