Wien - Der Unabhängige Bundesasylsenat fordert dringend eine Vereinfachung der Verfahren. Schon jetzt stöhnt jene Instanz, die Einsprüche gegen abgelehnte Asylverfahren behandelt, über einen Rückstau von 7600 noch zu bearbeitenden Verfahren. Das erst- instanzliche Verfahren sollte so verbessert werden, dass in einem möglichen Berufungsverfahren darauf aufgebaut werden kann und keine Gesamtwiederholung nötig ist. Das Gremium ist größenmäßig eigentlich für 5000 Fälle pro Jahr ausgelegt, es kommt aber regelmäßig zu Überschreitungen um bis zu 35 Prozent pro Jahr, wie es im Bericht für 2000/2001 heißt. Da es in den letzten Jahren vermehrt zu einer Verlagerung der Asylverfahren in die Berufung gekommen sei, wird neben der Verbesserung erstinstanzlicher Verfahren angeregt, den österreichischen Vertretungsbehörden in den wichtigsten Herkunftsländern von Asylwerbern besonders geschultes Kontaktpersonal zur Verfügung zu stellen. Die im Flüchtlingsbereich tätigen Hilfsorganisationen verlangten am Freitag Arbeitsmöglichkeiten für Asylwerber. So könnte psychischen Erkrankungen vorgebeugt, aber auch Talente gefördert werden, sagten Vertreter von Rotem Kreuz, Caritas, Diakonie und Volkshilfe. SP-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl und Grünen-Migrationssprecherin Terezija Stoisits schlossen sich der Forderung nach einer Verfahrensvereinfachung im Asylrecht an. Innenminister Ernst Strasser (VP) habe verabsäumt, das Personal in den Asylinstanzen aufzustocken, kritisierte Kuntzl. VP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat verteidigte Strasser, er habe immer vernünftig, behutsam und rechtzeitig gehandelt. (DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.11.2002)