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Der interne Favorit für den Chefposten bei der Deutschen Telekom , Mobilfunk-Chef Kai-Uwe Ricke, kann nach Ansicht aus Kreisen des Aufsichtsrates auf eine solide Mehrheit in dem Kontrollgremium zählen. "Es zeichnet sich ab, dass es einen Konsens über Ricke im Aufsichtsrat gibt", hieß es am Wochenende in den Kreisen. "Das Thema wird am Donnerstag aller Voraussicht nach gelaufen sein - einen zweiten Wahlgang wird es nicht geben müssen." Während die Arbeitnehmervertreter geschlossen hinter Ricke stünden, sei der 41-Jährige auf Arbeitgeberseite nicht unumstritten. Daher gebe es noch einen zweiten, externen Kandidaten, über dessen Identität zunächst nichts bekannt wurde. Plan Der Aufsichtsrat (AR) der Telekom wird sich am 14. November mit der Nachfolge für den im Juli ausgeschiedenen Konzernchef Ron Sommer befassen. Zugleich zeichnet sich die Ablösung von AR-Chef Hans-Dietrich Winkhaus ab. Der Bund als Großaktionär und die Arbeitnehmervertreter seien unzufrieden mit seiner Arbeit bei der Ablösung von Sommer und der Suche nach einem Nachfolger, hieß es. Unterstützung Ricke hat vor allem die Unterstützung der Arbeitnehmerseite. Ihr Kalkül sei, dass sich mit einem Manager aus den eigenen Reihen die angekündigte Streichung fast jeder fünften Stelle im Konzern eher vermeiden lassen werde als mit einem Externen, hieß es. Ricke ist seit 1998 bei der Telekom. Er verantwortet seit Mai 2001 im Konzernvorstand neben der internationalen Mobilfunksparte auch die Online-Aktivitäten. Daueranwärter Ricke gilt bereits seit dem erzwungenen Abgang von Sommer als Aspirant auf den Chefsessel. Seine Chancen sind gestiegen, weil die 2001 übernommene US-Mobilfunktochter VoiceStream zuletzt schneller als erwartet wuchs. Damit wird es wahrscheinlicher, dass die Telekom ihre US-Tochter nicht verkauft oder einen Partner dafür sucht. Ricke gilt als ein Befürworter der von Sommer verfolgten und oft kritisierten US-Strategie. Vorbehalte Aufsichtsratsnahen Kreisen zufolge gibt es in dem Gremium jedoch auch Vorbehalte gegen Ricke. Der Manager habe zwar im Mobilfunkbereich gute Arbeit geleistet, doch gebe es auf der Kapitalseite vereinzelt Zweifel, ob er über die strategischen Fähigkeiten verfüge, die die Telekom derzeit brauche. Bis ein neuer Vorstandschef gefunden ist, führt der frühere AR-Chef Helmut Sihler das Unternehmen. Hauptaufgabe der Konzernführung ist die Reduzierung der Verschuldung von zuletzt 64,2 Milliarden Euro und die Überprüfung der Unternehmensstrategie. Nur zweitbeste Lösung "Aus Sicht des Bundes scheint Ricke nur die Second-Best-Lösung zu sein", hieß es in den Kreisen. Daher gebe es noch einen zweiten Kandidaten für den Spitzenjob, der von außerhalb des Unternehmens komme. Dessen Identität wolle man aber noch geheim halten. Dennoch deute alles auf Ricke hin, da er die besondere Unterstützung der Arbeitnehmerseite genieße. "Die Belegschaft will eindeutig keinen Sanierer." Ablösung Zugleich zeichnete sich die Ablösung von AR-Chef Winkhaus ab. "Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat fordern schon seit längerem den Kopf von Winkhaus - und der Bund betreibt seine Ablösung ganz bewusst", so die Kreise. Der Bund kontrolliert rund 43 Prozent der Telekom-Aktien und stellt zwei der 20 AR-Mitglieder. Sommer war zurückgetreten, nachdem der Bund und Winkhaus ihm die Unterstützung entzogen hatten. Dieses Verhalten gilt bei den Arbeitnehmervertretern als Makel des ehemaligen Henkel-Managers. Kritisiert wird insbesondere die magere Ausbeute bei der Kandidatensuche: Wenn am Ende einer monatelangen Kandidatensuche letztlich nur ein Kandidat übrig bleibe, der schon ganz am Anfang genannt worden sei, so sei das sicherlich kein großer Erfolg. Als möglicher Winkhaus-Nachfolger wird Post-Chef Klaus Zumwinkel kolportiert, der aber noch nicht zugesagt habe. Keine Wertberichtigung Widerspruch gab es in den genannten Kreisen zu einem Bericht der "Berliner Zeitung", wonach die Deutsche Telekom vermutlich den Bilanzwert ihrer US-Mobilfunktochter T-Mobile US um einen zweistelligen Euro-Milliardenbetrag wertberichtigen werde. "Das ist sehr unwahrscheinlich", erfuhr Reuters dazu. Bei allem, was die Telekom mit VoiceStream vorhabe und was an Wertsteigerungspotenzial darin liege, mache dies keinen Sinn. Das bislang unter VoiceStream firmierende Unternehmen hat Branchenkreisen zufolge einen "hervorragendes Quartal" hinter sich und im laufenden Jahr mehr Neukunden gewonnen als jedes andere US-Mobilfunkunternehmen. (APA/Reuters)