Neu Delhi - Weil Mädchenmord und gezielte Abtreibungen den Frauenanteil in Indien vermindern, zahlen die Eltern junger Männer im Norden des Landes nun einen "Brautpreis". Bis zu 30.000 Rupien (640 Euro) gehen im Bundesstaat Haryana an die Familie der Braut, berichtete die Zeitung "Times of India" am Sonntag. "Mädchen im Heiratsalter sind so rar wie Getreide während einer Hungersnot", sagte Ram Kumar Hooda, der Bürgermeister von Bhali. In Haryana kommen nur noch 861 Frauen und Mädchen auf 1000 männliche Einwohner. In manchen Distrikten liegt das Verhältnis sogar bei 770 zu 1000, wogegen in den meisten Regionen der Welt Frauen leicht in der Überzahl sind. Da Mädchen, wenn sie verheiratet werden, zur Familie ihres Mannes ziehen und traditionell außerdem hohe Mitgiftzahlungen fällig wurden, sind Töchter in vielen indischen Familien weniger erwünscht als Burschen. Früher kam es zu Morden an Neugeborenen. Außerdem wurden Töchter während der ersten Lebensjahre im Vergleich zu Söhnen häufig vernachlässigt, so dass die Kindersterblichkeit bei Mädchen höher lag. Seit der Einführung der Ultraschalluntersuchungen kommt es vor allem in wohlhabenden Regionen Indiens zu gezielten Abtreibungen weiblicher Föten, obwohl dies gesetzlich verboten ist. (APA)