Wien- Im Mai dieses Jahres drohte die geplante Venus-Mission VenusExpress der europäischen Weltraumorganisation ESA auf Grund mangelnder Finanzierungszusagen der Mitgliedsländer endgültig in den Schubladen zu verschwinden. Nun feiert das Vorhaben gleichsam Auferstehung. "In seiner 101. Sitzung hat das Science Program Committee der ESA das endgültige 'Go-Ahead' für die Mission gegeben", so Wolfgang Baumjohann, Leiter des Instituts für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW. Das IWF wird unter anderem ein Experiment zur Magnetfeldmessung beisteuern.Nachbar-Treibhaus Dass die Venus-Mission nun doch - wie geplant - 2005 starten wird, liegt nicht zuletzt an den brisanten Forschungsthemen. So soll VenusExpress das extreme Treibhausklima unseres Nachbarplaneten erforschen. Denn auf der Venus herrschen Temperaturen bis zu 500 Grad, und diese Extremwerte sind nicht ausschließlich mit der Sonnennähe zu erklären. Die sehr dichte Atmosphäre der Venus besteht zum Großteil aus dem bekannten Treibhausgas Kohlendioxid. Unter anderem mittels Infrarotaugen wird VenusExpress die dichte Wolkendecke durchdringen und bis auf die Oberfläche spähen können. Mittels eines so genannten Magnetometers, das am IWF in Graz gebaut wird, sollen dagegen die Vorgänge in den äußersten Schichten der Venus-Atmosphäre untersucht werden. Die Venus besitzt - im Gegensatz zur Erde - kein eigenes Magnetfeld. Sehr wohl aber erzeugt die von der Sonne ausgesandte Strahlung - der so genannte Sonnenwind - beim Kontakt mit der Venus-Atmospäre unter anderem durch die Ionisierung von Molekülen magnetische Phänomene. Messweise Das Messgerät besteht - vereinfacht dargestellt - aus drei Spulen, damit können Magnetfelder und deren Veränderungen in drei Dimensionen erfasst werden. Von der Art und Weise, wie diese Vorgänge ablaufen, erwarten sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Wechselwirkungen von Sonnenwind und Atmosphäre. Bisher rätselt die Wissenschaft nämlich, wieso die Venus-Atmosphäre mangels eines eigenen Magnetfeldes nicht vom Strahlungsdruck der Sonne einfach weggeblasen wird. Am Mars dürften ähnliche Vorgänge zum heutigen, kalten Erscheinungsbild geführt haben. Eine Vorgängerversion des Magnetometers wird im Jänner mit der ESA-Mission Rosetta zum Kometen Wirtanen starten. Die Empfindlichkeit des zigarrenschachtelgroßen Geräts ist so hoch, dass selbst noch Unterschiede eines Magnetfeldes von 0,1 Nano-Tesla gemessen werden können. Zum Vergleich, das irdische Magnetfeld hat rund 50.000 Nano-Tesla. ASPERA Die Grazer Forscher haben aber auch noch an einem weiteren Instrument an Bord von mitgewirkt, nämlich ASPERA. Mittels dieses Instruments können verschiedene Ionen, etwa Sauerstoff oder Stickstoff, bestimmt und so die Zusammensetzung der äußeren Venus-Atmosphäre bestimmt werden. Auch nichtionisierte Atome werden aufgespürt und analysiert. Die gesamte Mission wird mit rund 100 Millionen Euro veranschlagt, wobei 80 Millionen die ESA beisteuert, 20 Millionen kosten die von den ESA-Mitgliedsländern finanzierten Instrumente. Das Projektvolumen für den Magnetometer beträgt 1,5 Millionen Euro. (APA)