Aus konjunktureller Sicht sehr erfreulich: Den Österreichern ist die Erhaltung ihres Lebensstandards wichtiger als das Befüllen ihrer Sparstrümpfe. Auf die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten reagieren sie nicht mit mehr Sparen, sondern sie greifen in ihre Sparschweine, um sich die gewohnten Dinge leisten zu können. Gleichzeitig legen sie fortlaufend immer weniger auf die Seite. So ist die Neuveranlagung der privaten Haushalte im vergangenen Jahr um 22 Prozent auf 10,8 Mrd. Euro zurückgegangen, berechnet die Nationalbank in ihrer jüngsten Studie.Als Reaktion auf die anhaltend flaue Konjunktur dürfte dieser Trend auch heuer und im kommenden Jahr anhalten, erwartet Nationalbank-Direktor Peter Zöllner. Insgesamt ist die Sparquote der einstigen "Sparweltmeister" in den vergangenen sechs Jahren von zwölf auf nunmehr 5,2 Prozent gesunken, allein im Vorjahr um 0,8 Prozentpunkte, wie die Nationalbank berechnet: Steuererhöhungen und geringere Lohnzuwächse in einer schwachen Konjunktur haben das frei verfügbare Einkommen geschmälert, gleichzeitig nimmt der private Konsum laut Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo um derzeit real ein Prozent zu. Zusammen stehen momentan rund 280 Mrd. Euro Geldvermögen der Privaten 85 Mrd. Euro Privatschulden gegenüber. Versicherungssparen im Vormarsch Den überwiegenden Teil ihres Vermögens (155 Mrd. Euro) halten die Österreicher in Bargeld und bei inländischen Banken, wobei aber schon knapp 16 Prozent des Geldes in kapitalmarktorientierten Anlageformen (Aktien, Investmentfonds) stecken und auch das Versicherungssparen auf dem Vormarsch ist. Für inländische Banken bedeute das, so die Nationalbank, dass nur 20 Prozent des neu Ersparten im Primärgeschäft (Sparbücher und Konten) veranlagt wird. Zwei Drittel werden in Versicherungs- und Fondsprodukte investiert. Experten bezeichnen es als erfreulich, dass die Österreicher trotz schlechter Zeiten an den Börsen höherwertigen Sparprodukten die Treue halten. Weniger Sparbücher Beim Sparbuch scheint die Zeit der hohen Zuwächse endgültig vorüber zu sein: 2001 gingen die Einlagen um 1,14 Mrd. Euro auf 123,7 Mrd. Euro zurück, die Zahl der "Bücheln" sank um 100.000 auf 23,6 Millionen. Der durchschnittliche Einlagenstand liegt bei unter 20.000 Euro. Für ein Drittel der heimischen Haushalte ist das Sparbuch aber noch die brauchbarste Form der Liquiditätsreserve. Im September (letzte verfügbare Zahlen) konnten die heimischen Investmentfonds ihre Kursverluste etwas eindämmen. Die durchschnittliche Performance aller 787 österreichischen Renten- und Aktienfonds mit mindestens einjähriger Performance hat sich gegenüber dem Vormonat August von minus 11,4 auf minus 8,06 Prozent verbessert. 533 Investmentfonds wiesen eine negative, 254 eine positive Einjahresperformance auf. Dies geht aus einer Statistik der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) hervor. Wenig Änderungen gab es bei den besten und schlechtesten Fonds. Weiterhin das größte Minus wies im September der Aktienfonds Advisory Active Technology (CPB Kapitalanlage GmbH) mit minus 60,46 Prozent auf. Neu am unteren Ende platzierten sich der Apollo Telekommunikation Global Fund der Security KAG mit minus 46,76 Prozent und der Allianz Invest New Generation der Allianz Invest KAG mit minus 46,49 Prozent Performance. Bester Fonds blieb auch im September der Capital Invest Gold Stock (Capital-Invest) mit einem Plus von 45,16 Prozent. Dahinter kam erneut der Raiffeisen-Osteuropa-Aktien der Raiffeisen KAG, dessen Plus gegenüber dem August von 27,76 auf 41,93 Prozent anzog, zu liegen. Der Ostvalor (Hypo-KAG/plus 29,18 Prozent) folgt auf dem drittbesten Platz. Auch die weiteren 20 vorderen Ränge werden vorwiegend von Aktien- und Rentenfonds eingenommen, deren Investitionsschwerpunkt in Osteuropa liegt. Dagegen finden sich am Schluss der Performanceliste hauptsächlich Technologie-, Wachstums-, Biotech- und Telekommunikationsfonds. Die rein österreichischen Aktienfonds zeigten im September zwar leichte Verbesserungen, verharrten aber allesamt im Minus-Bereich. Die beste Performance wies noch der Capital Invest Austria Stock (Capital-Invest) mit einem Verlust von 0,64 Prozent auf. Am schlechtesten schnitt der Vontobel Austrian Selected Growth Fund (Allianz Invest) mit minus 36,39 Prozent ab. Mit Anlageschwerpunkt Euroland oder Westeuropa konnte sich nur ein Fonds positiv halten, nämlich der Constantia European Property mit plus 7,29 Prozent. Alle anderen performen zwischen minus 15 und minus 38 Prozent. Osteuropa bringt hohe Renditen Mit Abstand am besten performten auch im September die Fonds mit Anlageschwerpunkt Osteuropa. Die drei besten Osteuropafonds, der Ostvalor der Hypo KAG, der Eastern Europe Stock der Capital Invest und der Allianz Invest Osteuropa Fonds zeigen Wertzuwächse auf Jahressicht von 29,18, 26,53 und 25,56 Prozent. In der Kategorie Gesamteuropa liegen der Raiffeisen-Osteuropa-Aktien und der Raiffeisen-Konvergenz-Aktien-Fonds mit 41,93 bzw. 22,02 Prozent mit großem Abstand an der Spitze. Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Nordamerika liegen mit einer Ausnahme (U.S. Special Equity/plus 19,27 Prozent) ebenfalls samt und sonders im Minus. Die Performance geht von minus 11,09 Prozent beim BAWAG P.S.K. America Blue Chip Stock bis zu minus 30,58 Prozent beim Meinl Wall Street Capital. (red, DER STANDARD, Printausgabe 12.11.2002)