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Foto: APA/ Uli Dick

Wien/Linz - Vor einem gefährlichen Trend warnen jetzt die Experten der Sicherheitsbehörden: Junge Menschen konsumieren, was immer interessant klingt. Von Pilzen und Kräutern über eine "Pillen-Bowle" bis zu gerösteten Bananenschalen. Eine besonders makabre Art wurde in jüngster Zeit festgestellt: Da es sich unter den Jugendlichen herumgesprochen hat, dass manche Kröten über die Haut drogenähnliche Substanzen absondern, werden diese nicht gerade appetitlichen Tiere gefangen und systematisch "abgeschleckt". Die Sache endet oft mit Verätzungen im Spital.

Alles wird probiert

In der Fachzeitschrift "Der Kriminalbeamte" - herausgegeben von der Vereinigung der Bundeskriminalbeamten Österreichs - wird in der jüngsten Ausgabe detailliert über die "legalen Drogen von Mutter Natur" berichtet, deren Gefährlichkeit die Jugendlichen häufig unterschätzen. Engelbert Horwath vom Kriminalpolizeilichen Beratungsdienst sagt in diesem Zusammenhang, einen derartigen Leichtsinn, wie ihn Jugendliche derzeit im Experimentieren mit Drogen zeigen, habe er noch nie erlebt. "Die Risikobereitschaft ist unglaublich groß. Es wird alles probiert. Ohne Einschränkungen", so Horwath.

"Aus der Praxis"

Dann folgt eine Reihe von Beispielen aus der Praxis der Suchtgiftfahnder. So wurde zum Beispiel im Fernsehen darüber berichtet, dass Kröten drogenähnliche Substanzen absondern. "Daraufhin hat man in der ganzen Lobau keine Kriechtiere mehr gesehen. Die Kids haben alles, was herumgekrochen ist, eingefangen und abgeschleckt", so Horwath in der Fachzeitschrift. In einer Reihe von Fällen mussten Jugendliche in der Folge wegen Verätzungen durch die Krötenhaut im Spital behandelt werden.

Das "Pilz-Gulasch" mit entsprechenden "psychedelischen Schwammerln" zählt ebenso zu den "Spezialitäten" der jungen Süchtigen wie das "Tollkirschen-Müsli" oder die "Pillen-Bowle" bei einschlägigen Partys. "Da nimmt jeder einen Streifen Medikamente von zu Hause mit. Das kommt in ein Bowleglas und wird aufgeteilt", berichten die Experten der Exekutive.

Zwei bis drei Tote pro Jahr fordert in Österreich das "Schnüffeln" von Substanzen mit drogenähnlicher Wirkung, beispielsweise Butangas. Horwath berichtet von einem neuen "Tipp" im Internet: "In den Internet-Foren werden auch Mischungen empfohlen. Zum Beispiel den Rauch des Zaubersalbeis mit Lachgas in einen Luftballon zu mischen. Man soll sich damit in die Natur legen, dann sprechen die Sterne mit dir." Wie überhaupt häufig eine Verbindung des Konsums der "Naturdrogen" mit mystischen Ritualen festzustellen ist. In diese Kategorie gehört auch die intensive Inhalation einer starken Dosis Weihrauch.

Bedürfnis nach Grenzüberschreitung

Aber selbst Küchengewürze wie die Muskatnuss werden als "Droge" zu verwenden gesucht, "für einen Rausch muss man freilich eine so große Menge Muskat zu sich nehmen, dass man sie kaum hinunter bringt", wird in den Bericht im "Kriminalbeamten" erläutert. Und wenig Wirkung dürfte auch der Versuch zeitigen, den weißen Belag von Bananenschalen zu rösten, aufzukochen und zu rauchen.

Christoph Lagemann vom Institut für Suchtprävention in Linz sieht den Grund für den "Boom" bei den "Naturdrogen" und sonstigen Substanzen in der Neugier vieler Jugendlicher und in deren Bedürfnis, "alles auszuprobieren und dabei auch Grenzen zu überschreiten". Wichtig wäre vor allem eine entsprechende Aufklärung der Jugendlichen über die gesundheitlichen Gefahren in diesem Zusammenhang. (APA)