Den Haag - Der Prozess gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ist am Dienstag erneut unterbrochen worden. Milosevic habe über Müdigkeit geklagt und bei ihm sei ein hoher Blutdruck festgestellt worden, erklärte der Vorsitzende Richter Richard May. Der Angeklagte werde nun gründlich untersucht. Abhängig von den Ergebnissen werde man entscheiden, ob Milosevic weiteren medizinischen Untersuchungen unterzogen werde, sagte May. Der Prozess gegen den Ex-Präsidenten war erst am Montag nach einer zehntägigen Unterbrechung fortgesetzt worden. Milosevic hatte dabei scharfen Protest gegen die Forderung der Chefanklägerin Carla Del Ponte geäußert, einen Zwangsverteidiger für ihn zu ernennen. Dahinter stecke die Absicht der Anklage, ihn mundtot zu machen, sagte Milosevic. Positiv äußerte er sich hingegen über den Vorschlag der "Freunde des Gerichts" (amici curiae), die nötigenfalls eine längere Unterbrechung des Prozesses befürworten, um dem Angeklagten die Heilung zu ermöglichen. Sollte es notwendig sein, solle auch eine vorübergehende Freilassung des Angeklagten überlegt werden. Dies sei eine "faire Lösung", sagte Milosevic. Sollte er tatsächlich freigelassen werden, werde er sicher nicht vor dem Gericht und dem Prozess fliehen.(APA)