Die Gläubigerbanken der insolventen KirchMedia sollen sich nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen an dem Filmrechtestock der Mediengruppe beteiligen und dafür neues Kapital einschießen. Damit müsste der Bauer-Verlag für eine Übernahme von KirchMedia weniger Geld auf den Tisch legen als bisher gedacht.

"Im Moment wird verhandelt, mit wieviel sich die Banken bei den Filmrechten engagieren", erfuhr Reuters am Dienstag aus den Kreisen. Mit einer Beteiligung an dem Filmstock könnten die Banken einen Teil ihrer Forderungen von 1,4 Milliarden Euro in Eigenkapital umwandeln. "Die Banken sollen auch frisches Geld mitbringen. Dabei geht es um einen niedrigen Millionen-Betrag", hieß es. Ob das Konsortium unter Führung von Bauer oder die Gläubigerbanken am Ende die Mehrheit an der Gesellschaft halten, blieb unklar. Das hinge mit davon ab, ob das US-Filmstudio Columbia dem Konsortium von Bauer und HypoVereinsbank (HVB) noch beitrete. Die Gespräche darüber befänden sich in der Endphase, hieß es.

Verhandlungen

Seit rund zwei Wochen verhandelt KirchMedia exklusiv mit dem Konsortium unter Führung des Zeitschriftenverlages Bauer über die Übernahme des Kerngeschäfts von KirchMedia, zu dem eine der größten Filmbibliotheken der Welt und die 52,5-prozentige Mehrheit an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 gehören. Finanzkreisen zufolge hat die Gruppe knapp zwei Milliarden Euro für alles zusammen geboten, gut 700 Millionen Euro allein für die Mehrheit an ProSiebenSat.1, was nur knapp über dem derzeitigen Börsenwert des Anteils liegt. Das würde den Filmrechtestock mit rund 1,3 Milliarden Euro bewerten. Eine Beteiligung der Banken könnte die vom Bauer-Konsortium zu tragende Summe um mehrere hundert Millionen Euro verringern.

"Gespräche verlaufen konstruktiv"

Ein Sprecher des Bauer-Verlags lehnte ebenso wie Vertreter der Gläubigerbanken einen Kommentar zu den Angaben ab. "Die Gespräche verlaufen konstruktiv", hieß es lediglich. Nach dem Willen der KirchMedia-Geschäftsführung sollen die Verhandlungen bis spätestens zum 15. Dezember unterzeichnet werden.

Über die Struktur der Übernahme der KirchMedia-Teile scheint man sich schon einig zu sein. Nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreise sollen zwei verschiedene Gesellschaften gegründet werden: In eine, die nur von dem Bauer-Konsortium gehalten wird, soll die Mehrheit an ProSiebenSat.1 eingebracht werden. Der Filmstock würde von der zweiten Gesellschaft übernommen, an der sich neben der Bietergruppe die vier Gläubigerbanken Commerzbank, DZ Bank, Bayerische Landesbank und HVB beteiligen. Die HVB spielt damit eine Doppelrolle in den Verhandlungen als Mitbieter und Gläubigerbank gleichzeitig.

Die Banken pochten dabei darauf, dass das Konsortium Eigenkapital in dreistelliger Millionen-Höhe in die neue Filmrechte-Gesellschaft mitbringt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Banken mitmachen, wenn sich Bauer nicht mit einem nennenswerten Betrag - so 200 bis 300 Millionen Euro - beteiligt", hieß es in Finanzkreisen. Für Freitag sei ein Treffen der Gläubigerbanken auf Vorstandsebene geplant, um eine Position abzustimmen.

Noch keine Entscheidung gebe es über das künftige Verhältnis der Filmrechtegesellschaft und ProSiebenSat.1 - mit den Sendern ProSieben, Sat.1 und Kabel 1 ein wichtiger Abnehmer für Spielfilme, hieß es in den Kreisen weiter. Die Senderfamilie könnte sich ebenfalls an der Rechtegesellschaft beteiligen oder als Kunde nur vertragliche Beziehungen pflegen. "Dann wäre es natürlich schon nötig, dass ProSieben sich festlegt, für mehrere Jahre Filme abzunehmen", hieß es in Finanzkreisen. (APA/REuters)