Graz - Eine Neuauflage der rotschwarzen Koalition auf Bundesebene sei bereits "beschlossene Sache", mutmaßte am Mittwoch in Graz die FPÖ-Führungsriege in der Steiermark, bestehend aus Landesparteiobmann Leopold Schöggl, Landtagsklubchefin Waltraud Dietrich und der stv. Bundesvorsitzenden Magda Bleckmann. Dafür gebe es mehrere Indizien auf Bundes- und Landesebene: Dies seien der Wechsel von Gertraud Knoll zur SPÖ, der Absprung von Finanzminister Karl-Heinz Grasser und die "Wählerfang-Tour" von SPÖ und ÖVP bei FPÖ und Grünen. Grasser werde von der ÖVP missbraucht, sei aber kein Hindernis für eine Neuauflage von Blauschwarz, so Bleckmann. Die einzige Chance, eine "rotschwarze Stillstandspolitik" zu verhindern, sei es, die FPÖ zu wählen. Auf die Frage, ob man mit einer ÖVP, die sich "nicht an Vereinbarungen" (Zitat Schöggl, Anm.) halte, noch arbeiten könne, meinte Bleckmann: "Wer den Reformkurs fortsetzen will, darf keinen Bedarf für persönliche Befindlichkeiten haben". Persönlich sei sie enttäuscht von Grasser, dieser werde von der ÖVP missbraucht. Bei einer Koalition mit der ÖVP sei aber der Finanzminister kein Hindernis, meinte Bleckmann auf Nachfrage. Grasser habe seine Parteimitgliedschaft ruhend gestellt. Schöggl: "Man muss sich außerdem fragen, ob Kanzler Wolfgang Schüssel überhaupt nach der Wahl zu seinen Versprechungen steht". Bleckmann: "Ich bin sicher, dass sich die Wähler am Wahltag erinnern, wer am meisten Reformen durchgebracht hat." Zudem habe man seit Grassers Entscheidung österreichweit rund 100 Parteieintritte verzeichnet. Drei Indizien würden für eine bereits ausgemachte Große Koalition sprechen, so Bleckmann in einer Pressekonferenz in Graz zur "aktuellen politischen Lage". Das erste Indiz dafür sei der Wechsel von Knoll: "Kein vernünftiger Mensch gibt eine sichere Stelle zu Gunsten einer unsicheren Stelle als Staatssekretärin, abgesichert ohne Mandat, auf". Das zweite Indiz sei es, dass SP-Spitzenkandidat Alfred Gusenbauer gegenüber dem Wechsel von Grasser zur ÖVP sehr indifferent und unsicher agiere. Drittes Indiz für Bleckmann ist "das Fischen von SPÖ und ÖVP im blauen bzw. grünen Wählerteich". Dazu komme noch die Ansage Gusenbauers, im Falle eines zweiten Platzes bei der Nationalratswahl in Opposition gehen zu wollen. FP-Chef und LH-Stv. Leopold Schöggl pflichteten ihr bei: "Es gibt einen neuen Honeymoon zwischen ÖVP und SPÖ." Indiz dafür sei, dass die SPÖ erst das Landesbudgets verdammt hätte, um es dann in Eintracht mit der ÖVP zu beschließen. SP-Chef Franz Voves habe zudem davon davon gesprochen, dass die Volkspartei mit ihrer Haltung zur Winterbauoffensive eine Vereinbarung breche: "Ja, welche Vereinbarungen denn, davon ist nichts bekannt", wunderte sich Schöggl. Genauso sei es mit dem TV-Schilling gewesen, die ÖVP halte sich nicht an Vereinbarungen. Klubchefin Dietrich beklagte die "neuen, alten Gepflogenheiten", dass ÖVP und SPÖ sich knapp vor Sitzungen die Anträge ausmachen würden, ohne die FPÖ einzubinden, "wie früher", nach dem Motto: "Friss Vogel, oder stirb." (APA)