Washington - Die US-Notenbank hat nach den Worten von Fed-Chef Alan Greenspan vorige Woche die Zinsen deswegen stark gesenkt, weil sie wachsende Beweise für eine Wachstumsdelle der US-Wirtschaft sah. Die US-Wirtschaft sei allerdings nicht sichtbar deutlich aus dem Gleichgewicht geraten und zeige nicht die übliche Schwäche, die einen Abschwung erwarten lassen würde, sagte Greenspan am Mittwoch vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses. Analysten, die sich eine weitergehende Erklärung für den Zinsentscheid aus der vergangenen Woche erhofft hatten, sagten, die Äußerungen von Greenspan hätten keine Überraschungen gebracht. An den Finanzmärkten gab es zunächst kaum Reaktionen. Der Euro zog nur zeitweise leicht an, um sich im Verlauf wieder bei Kursen um 1,0070 Dollar einzupendeln. Die US-Währungshüter hatten vorige Woche den Schlüsselzins am Geldmarkt um 50 Basispunkte auf 1,25 Prozent und damit überraschend stark gesenkt, um einen drohenden Stillstand der Konjunkturerholung in den USA zu verhindern. Analysten hatten lediglich mit einer Senkung um 25 Basispunkte gerechnet. Verbraucher unsicher "Obwohl das Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr relativ gut gehalten wurde, haben einige Faktoren weiterhin die Wirtschaft belastet", sagte Greenspan. Er verwies dabei auf die nur allmähliche Erholung der Investitionsausgaben, die Folgen durch Bilanzskandale, den weiteren Rückgang der Kurse an den Aktienmärkten sowie auf Sorgen um einen möglichen US-Angriff auf Irak. Als Hauptgrund für die derzeitige Konjunkturflaute nannte Greenspan die Unsicherheit. Die Verbraucher seien sparsamer geworden. Fallende Aktienkurse, drohende Arbeitslosigkeit und die Terrorbedrohung hätten das Verbrauchervertrauen erschüttert. Instrumente noch nicht ausgeschöpft Nach Abnahme der Unsicherheit werde sich das Wirtschaftswachstum beschleunigen, sagte er. Die US-Wirtschaft ist Greenspan zufolge ziemlich weit von anhaltenden Deflationstendenzen entfernt. Wenn die US-Wirtschaft auf dem erwarteten Kurs bleibe, brauche sie keine zusätzliche Stimulierung mehr, sagte er. Die US-Notenbank Fed ist laut Greenspan noch weit davon entfernt, ihre Instrumente ausgeschöpft zu haben. (APA/Reuters/dpa)