Linz - Da musste sich Ulrike Bernauer-Birner vom Verein für Frauen und Qualifikation (VFQ) wundern. Am 7. November las sie die Stellenausschreibung vom Bundesministerium in der Zeitung. In der oberösterreichischen Landeshauptstadt soll ein Regionalbüro der Gleichbehandlungsanwaltschaft eingerichtet werden. Nicht nur dass die Bewerbungsfirst von elf Tagen ungewöhnlich kurz ist, die VFQ-Geschäftsführerin hatte auch schon eine Einladung zur Büroeröffnung erhalten. Diese soll einen Tag nach Ablauf der Bewerbungsfirst stattfinden: Dienstag, 19. November, um 9 Uhr 30. Frauenmister Herbert Haupt wird dazu persönlich nach Linz kommen, auch ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer wird - so steht es in der Einladung - an dem Festakt teilnehmen. Unglaublich, dieses Vorgehen, ärgern sich viele Frauengruppen in Linz. Das lasse eigentlich nur zwei Schlüsse zu. Entweder handele es sich um eine Pro-Forma-Ausschreibung, oder "Schwarz und Blau" wollen noch im Endspurt des Wahlkampfes "punkten". "Sollte Minister Haupt am 19. November einen Namen präsentieren, wird es einen Wirbel geben", garantiert Gabriella Hauch, Leiterin des Instituts für Frauen- und Geschlechterforschung an der Uni Linz. Das Ministerbüro versichert, dass die Eröffnung ohne eine dazugehörige Anwältin stattfinden werde. Ein Procedere, das in den Ministerien "üblich ist", so das Büro weiter. Bis zur tatsächlichen Bestellung des Leiters einer neu eingerichteten Abteilung übernehme immer ein provisorischer Chef die Führung. Als Beispiel wird die Männerabteilung in Haupts Ministerium genannt (aus dem provisorischen Leiter wurde dann auch der tatsächliche). Frauen aus Wien

Im Fall des Linzer Büros heißt dies: Vorerst werden Mitarbeiterinnen aus der Frauenabteilung des Ministeriums im Linzer Büro arbeiten. Für die Betroffene sei es doch egal, wer sie berate, versteht das Ministerium die Aufregung in Linz nicht. An eine Gleichbehandlungsanwältin kann sich jede Frau wenden, die sich am Arbeitsplatz sexuell belästigt, diskriminiert oder gemobbt fühlt. Dort erhält sie kostenlos juristische Beratung. Das Bundesbüro für Gleichbehandlungsfragen sitzt in Wien. Die erste Regionalstelle nahm im November 1999 in Innsbruck ihre Arbeit auf. Mittlerweile gibt es auch welche in Graz und Klagenfurt. Kurz vor der Nationalratswahl wird in Linz das Büro eröffnet. Richtiges Signal

Auch wenn es sich um Wahlkampf handle, so wertet Hauch die Ausschreibung als ein "Signal in Richtung Frauen". Durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit könne die Gleichbehandlungsanwältin am Ort "ein Gesicht bekommen", und damit falle die Hemmschwelle für Hilfesuchende, sich an eine Institution zu wenden. So begrüßt die Uniprofessorin die Schaffung des Linzer Büros, zur Eröffnung am 19. November wird sie aber nicht kommen. "Ich habe eine Sitzung, die sich nicht verschieben lässt." Damit ist Hauch nicht die Einzige, die verhindert ist. Viele Geladene müssen am Donnerstagvormittag arbeiten, und nicht jede wolle sich Urlaub nehmen, merkt Bernauer-Birner an. (Kerstin Scheller/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.11.2002)