Für den internationalen Handel dürfte Österreich als eine kleine Insel der Seligen durchgehen. Im Gegensatz zu Deutschland hat sich das Publikum hier zu Lande noch nicht mit dem konjunkturellen Katzenjammer infiziert. Einer zahlenmäßig hervorragend besuchten Vernissage folgte in der Hofburg ein verkaufsames Wochenende. Quer durch den artifiziellen Gemüsegarten wurde gefeilscht und zugeschlagen, von Touristen wie heimischer Klientel.

Die Platzhirschen Giese & Schweiger, erstmals mit Zeitgenossen im Programm, gaben innert dreier Tagen zumindest zehn Bilder ab. Arbeiten des 19. Jahrhunderts dabei genauso wie Werke von Hollegha, Staudacher und Rainer - "insgesamt wesentlich besser als im Vorjahr", lautet die knappe Diagnose von Herbert Giese, der die Bilder ausschließlich an österreichische Käufer abgab. Kristian Scheed trennte sich vom Meisterstück des Uhrmachers Anton Schwarz; die 1841 ausgeführte Laterndluhr mit einer Gangdauer von einem Monat (!) war im Vorfeld der Messe mit 55.000 Euro veranschlagt. Ebenso können sich die Schmuckspezialisten Pintar und Rauhenstein durften sich bereits über hochkarätige Verkäufe freuen; neben Stücken aus der Zeit des Art Déco stehen neuerdings Arbeiten aus den 50er Jahren im Mittelpunkt weiblichen Interesses.

Besonders regen Zustrom verzeichnete Michael Kovacek (Glas- und Gemäldegalerie) für sein Erotikkabinett, ausgestattet mit Frivolitäten des Biedermeiermalers Peter Fendi. Dem Glanz geschliffenen, geschnittenen und bemalten Glases erlagen die Besucher zwar nicht reihen-, dafür objektweise. Murano-Stücke wechselten hier ebenso den Besitzer wie der Tiroler Hochzeitspokal, um 1540 (42.000 EURO), Waldmüllers Blumengruß ist bereits reserviert. Überhaupt scheint der Bildersektor einer der stabilsten des Marktes zu sein. Martin Suppan verkaufte eine Studie Rudolf Eisenmengers zum Mozartzyklus für die Wiener Staatsoper, Kollege Peter Kovacek eine Reihe an Arbeiten des 19. und 20. Jahrhundert; bei Wienerroither & Kohlbacher laufen Verhandlungen für Egon Schieles männlichen Akt (280.000 EURO) und jene für Georg Jungs Herbstlandschaft (29.000 EURO) sind schon finalisiert.

Gleich am Wochenede zog beim Kunsthandel Runge Friedrich Gauermanns Vor dem Gewitter ebenso von dannen wie unzählige Viechtauer-Vöglein; für ihre Sonderausstellung des zeitgenössischen Künstlers Gordon Gerstner schlug sich die Begeisterung im Verkauf von sechs Arbeiten nieder. Und auch die Kunst der Tischer erfreut sich reger Nachfrage. Einen Barocktabernakel gab das Kunsthaus Wiesinger nach Oberösterreich ab und lieferte gleich zu Wochenbeginn Biedermeierbänke, einen Louis XV. Lesetisch sowie Kommoden aus.

Der deutsche Kollege Kuhnke verbucht enormes Interesse an einem 38.000 Euro teuren doppeltürigen Eisentresor (um 1780). Die seltene Kunstschmiedearbeit stammt einem Wiener Palais. Das eine zeitlang vernachlässigte Segment asiatischer Kunst unterbreitet das deutsche Händlerduo Ruetz & Sandvoss. Hier wechselte eine Reihe japanischer Farbholzschnitte Richtung USA, Frankreich und Schweiz den Besitzer. (Olga Kronsteiner/DER STANDARD, Printausgabe, 16.11.2002)