Wien - Allein der kleine dunkle, schmuddelige Tunneldurchgang neben der U6-Station Gumpendorfer Straße ist schon ein klassischer Angstraum. Dazu noch zwei Hütterln davor, die die Einsicht versperren. Kein Wunder, dass hier fast nie jemand durchhuscht.Ein klassischer Fall für "Gender Mainstreaming", das ab 2003 bei allen Vorhaben in Mariahilf durchgeführt werden soll: Es wird also bei jeder Planung von vornherein mit bedacht, welcher Gruppe das Projekt nützt - und für wen das Probleme schaffen könnte. Der Durchgang neben der U6-Station etwa werde gesperrt, ein Standl und eine Wartehütte verlegt, und es werde mehr Licht und mehr Grün geben, erläuterte Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann (SP) bei der Präsentation des Pilotprojektes "alltagsgerechtes Planen und Bauen" für einen ganzen Bezirk. Wobei eben die Alltagsbedürfnisse von Frauen immer noch andere seien, wie Frauenstadträtin Renate Brauner (SP) betont: Frauen fahren öfter mit Öffis, kümmern sich um die Versorgung der Familie, sind häufiger mit Kinderwägen unterwegs. "Frauen mit Kinderwägen sind nun einmal sozusagen der Lkw auf dem Gehsteig", vergleicht Eva Kail von der Leitstelle für alltagsgerechtes Planen und Bauen im Magistrat. Auch wenn andere Planer meinen, 70 Zentimeter pro Fußgänger seien genug, heißt es in der Leitstelle gleich: "Maßband!" - so wird bewiesen, dass eine bekleidete Person mit Tasche bereits 77 Zentimeter breit daherkommt. Und das soll nun etwa auch bei der Doppel-Bushaltestelle in der Gumpendorfer Straße/ Münzwardeingasse Konsequenzen haben, wo sich die Passanten zusammenquetschen, während die Autos überbreite Fahrspuren haben. Letztere werden nun verkleinert, der Gehsteig vergrößert. "Wir waren verblüfft, als gleich 19 Bezirke mitmachen wollten", berichtet Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP). Mariahilf sei als klassisch innerstädtisches Gebiet ausgewählt worden - "und es sollte auch kein Bezirk mit lokaler Agenda 21 sein, da bei nachhaltiger Planung anzunehmen ist, dass diese Fragen ohnehin bearbeitet werden". Manchmal aber ist bei aller Bereitschaft besondere Überzeugungsarbeit nötig. So musste die Leitstelle vor dem Umbau der Corneliusstiege erst eine Studie durchführen - mit der bewiesen wurde, dass auch hier eine Kinderwagenrampe möglich ist. (frei/DER STANDARD, Printausgabe 16./17.11.2002)