Linz - Anrufer, die mit "Frau Gender" sprechen möchten, melden sich kaum noch. Und auch Anfragen à la "Erklären Sie mir bitte dieses ,gender'" kommen immer seltener vor. Dass an der Universität Linz immer weniger Studierende, aber auch Lehrende nichts mit dem Begriff "Genderforschung" anfangen können, sondern wissen, dass es zwischen gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägten Geschlechtsrollen von Frauen und Männern (gender) und dem biologischen Geschlecht einen großen Unterschied gibt, der über gesellschaftliche Teilhabechancen, Rechte, Pflichten und zugeschriebenen Verantwortlichkeiten entscheidet, liegt nicht zuletzt an einem Unikum.Die Linzer Uni hat seit eineinhalb Jahren das erste gesamtuniversitäre Institut für Frauen- und Geschlechterforschung in Österreich, das am Montag öffentlich präsentiert wird. (19 Uhr, Uni-Center). Ein eigenes Institut für Genderforschung bedeute nicht nur "symbolisches Kapital", zumal die Thematik anfangs von vielen belächelt worden sei, berichtet Institutsleiterin Gabriella Hauch. Ein eigenes Institut mache auch die Verankerung von Frauen- und Geschlechterforschung an allen Fakultäten leichter. Im Laufe der Zeit sei das Institut zu einer "zentralen Drehscheibe zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik in Fragen der Geschlechtergerechtigkeit und Frauenförderung" geworden. Beleg für die Bedeutung, die die Uni Linz der fächerübergreifenden Genderforschung zumisst, ist der neue Studienplan, der für die Wirtschaftswissenschaften ganz selbstverständlich "Gender Studies" (Kategorie Geschlecht, Equality-Management) vorschreibt. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17. 11. 2002)