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Toronto - Müssen Entscheidungen getroffen werden, äußern Chefs selbstbewusst ihre Meinung, während Angestellte dazu tendieren, mit ihrer Meinung hinter dem Berg zu halten. Dieses starke Machtgefälle in Unternehmen führt zu weniger tragfähigen Entscheidungen. Das behauptet ein kanadisch-amerikanisches Forscherteam. Die Ergebnisse werden in der Dezember-Ausgabe des Fachmagazins Journal of Personality and Social Psychology publiziert. "Äußern Untergebene nicht ihre wahre Meinung, können sie Entscheidungen nicht beeinflussen", erklärte Jennifer Berdahl von der Rotman School of Management in Toronto und Co-Autorin der Studie "The Experience of Power: Examining the Effects of Power on Approach and Inhibition Tendencies". Dieser Umstand kann laut Berdahl Auswirkungen auf ihre berufliche Leistung haben und gleichzeitig die Entscheidung schwächen, die ein Unternehmen trifft. Berdahl und Cameron Anderson von der Northwestern University teilten für ihre Studie 300 Studenten in zwei Gruppen, in "Leiter" und "Untergebene". Einzeln und in Leiter-Untergebene-Teams mussten die Studenten Entscheidungen über die Verteilung von Prämien an fiktive Firmenangestellte treffen. Es zeigte sich, dass "Leiter" frei und lautstark ihre Meinung äußerten. Studenten in der "Untergebenen-Rolle" zögerten, bevor sie einen etwaigen Einwand gegen die Meinung des Chefs äußerten. Fazit: "Bosse" hatten bei Team-Entscheidungen deutlich mehr Einfluss. Darüber hinaus überschätzten "Untergebene" zum einen den großen Ärger, den sie ihren "Leitern" mit einer abweichenden Meinung bereiten könnten. Zum anderen unterschätzen sie auch, wie hoch sie in der Achtung der "Chefs" standen, so zumindest die Studie. "Die Ergebnisse zeigen, dass es um so besser ist, je flacher die Unternehmenshierarchien sind", erklärte Berdahl. Je größer das Machtgefälle zwischen Individuen insbesondere in gemeinsamen Entscheidungsprozessen ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit von schwachen Entscheidungen. (pte/red)