Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: EPA/Tsuno

"Das waren Micky-Maus-Angebote": Nicht gerade ausgelassen war Montagnachmittag die Stimmung der Belegschaftsvertreter nach der jüngsten Verhandlungsrunde mit der ORF-Geschäftsführung. Die Gespräche über die Gehaltssteigerungen mit kommendem Jahr wurden "ergebnislos abgebrochen", sagt ein Betriebsrat dem STANDARD. Über den neuen Kollektivvertrag habe man deshalb nicht geredet. Wie berichtet, soll ein Teil der freien Mitarbeiter mit diesem neu angestellt werden.

"Am Anfang" habe die Anstaltsleitung "gar nichts" geboten, dann 0,5 Prozent Plus nebst Einmalzahlung. Sollte es doch mehr sein, müsste die Belegschaft im Gegenzug auf derzeit gewährte freie Tage verzichten. Bisher ist der evangelische Feiertag Karfreitag auch für ORF-Mitarbeiter anderer Bekenntnisse kein Werktag.

"Inakzeptable Zumutung"

Zentralbetriebsratschef Heinz Fiedler verweist auf die Gespräche am Freitag, will darob nicht ins Detail gehen. "Höchst inakzeptabel" nennt er aber das Angebot der Geschäftsführung und Vorstellungen über weniger Freizeit "inakzeptable Zumutung".

Wie berichtet gefährden die Gehaltsverhandlungen den Beschluss des Finanzplanes für 2003. Der Finanzausschuss soll darüber kommenden Montag abstimmen, der Stiftungsrat am 2. Dezember.

Die Vorstellungen der ORF-Spitze für das Budget 2003 gingen den Räten dieser Tage zu. Laut dem STANDARD vorliegender Übersicht soll der ORF im kommenden Jahr mit 110.600 Euro Überschuss aus dem laufenden Betrieb knapp positiv abschließen. Für heuer war ein Defizit von rund 50 Millionen Euro budgetiert. Wie berichtet wird es dank Werbeumsätzen über Plan deutlich geringer ausfallen.

Vorsichtig budgetiert

281,6 Millionen Euro Werbeumsatz sieht der Finanzplan für das laufende Jahr vor. Tatsächlich sollen es nach den Erwartungen der Geschäftsführung nun rund 312,6 Millionen werden. Für 2003 budgetiert sie wieder vorsichtig: 308,5 Millionen Euro.

Gleich um 46,2 Prozent weniger Ertrag erwartet der ORF aus Wertpapieren und Zinsen. Heuer schlug hier noch der Verkauf von Jet2Web-Anteilen zu Buche. 22,1 Prozent geringer die Erträge aus Beteiligungen. Hintergrund: Onlinewerbung wird nicht mehr dort, sondern unter (deutlich wachsenden) Sonstigen Erträge verbucht.

Gegenüber dem Finanzplan 02 sollen die Gebührenerträge von fast 368 um 3,8 Prozent auf gut 382 Millionen Euro wachsen. Dieser höchste Einnahmenposten des ORF liegt knapp über den Aufwendungen für beide Fernsehdirektionen: Nach 386 Millionen heuer sollen ihnen künftig 371 zur Verfügung stehen, ein Minus von vier Prozent. Die Radiodirektion soll ihre Kosten um 6,4 Prozent auf 84,2 Millionen kürzen. Die Landesstudios müssen lediglich 2,4 Prozent sparen und bekommen 124,1 Millionen Euro. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe vom 19.11.2002)