Chicago - Die direkte Injektion von Knochenmarkszellen in das Herz verbessert dessen Funktionalität. Dieses Ergebnis präsentierten britische Forscher anhand der ersten Studie dieser Art auf der derzeit in Chikago stattfindenden Tagung der American Heart Association. Demnach soll die Injektion des eigenen Knochenmarks in Herzinfarkt-bedingtes Narbengewebe die Kontraktion der Herzwand deutlich verbessern. Die Technik ist laut Manuel Galinanes von der University of Leicester ein neuer Weg, den Herzmuskel nach einem Herzinfarkt zu stärken. Das Ergebnis der Injektion werde bereits nach sechs Wochen sichtbar.Die britischen Herzspezialisten behandelten Patienten, deren Herzen aufgrund eines Herzanfalls stark geschädigt waren. Ihre Herzmuskeln hatten zum Großteil die Fähigkeit verloren, Blut in den Kreislauf zu pumpen. Die abnorme Bewegung der Herzmuskulatur wurde durch Tests bestätigt. Dafür wurde den Patienten unter anderem ein Medikament (Dobutamin) injiziert, das die Wirkung von Sport auf das Herz simulierte. Die Effekte waren eine schnellere Herzfrequenz, ein erhöhter Blutdruck und kräftigere Kontraktion. Die Herzfunktion wurde durch eine Dobutamin-Streßechokardiographie evaluiert. Wall Motion Score verringert Im Zuge einer Bypass-Operation erfolgten Knochenmark-Injektionen. Das Knochenmark stammte vom Brustbein (Sternum) der Patienten. Nachdem dieses in einer kleinen Blutmenge des Patienten gelöst wurde, injizierten es die Spezialisten direkt in das Narbengewebe, das während der Operation identifiziert wurde. Sechs Wochen beziehungsweise zehn Monate nach der Injektion erfolgte erneut eine Dobutamin-Streßechokardiographie. Dieses bildgebende Verfahren bestätigt die Präsenz von Narbengewebe und zeigt, dass die betroffene Region eine Fehlfunktion aufweist und diese auch irreversibel ist. Die Forscher beobachteten den Effekt der Knochenmark-Injektion auf die Herzwand-Bewegung in der unmittelbaren Umgebung der Narbe und im linken Herz-Ventrikel (Hauptkammer). Durch die Injektion verringerte sich der so genannte "Wall Motion Score", ein Maß für Ausdehnung und Schwere von Herzwand-Strömungsstörungen. Je geringer dieser Wert ist, um so weniger ausgeprägt ist die Störung. Nachdem die Studie an einer limitierten Patientengruppe im Zuge einer Bypass-Operation lief, wollen die Forscher die Studie auf ein größeres Sample ausdehnen. Die Herzspezialisten rechnen damit, dass die Methode auch durch einen kleineren Eingriff und mitunter sogar nicht operativ Wirkung erzielt. Laborexperimente zur Feststellung, wie Knochenmarkszellen das Narbengewebe verändern, sind bereits im Laufen. (pte)